Sonntag, 26. Juni 2016

10 Dinge


JA, ich lebe noch und ich bin auch immer noch in Peru. Ich weiß es gab eien viel zu lange Pause und ich würde direkt Besserung geloben, aber in den letzten zwei Monaten, die mir noch bleiben habe ich wenig Hoffnung dieses Versprechen erfüllen zu können.
Wie man vielleicht aus meinem Monatsbericht Juni herauslesen konnte, gab es mal wieder ein kleines 3-Monatstief. Genau wie am Anfang meines Jahres hier, als nach den ersten 3 Monaten die Euphorie und das Adrenalin ein bisschen verflogen waren und ich mein erstes 3- Monats Anfangstief hatte. Genauso hat mich mein 3- Monats Endtief also Anfang Juni eingeholt.
Jetzt kann ich sagen, beide Tiefs gut überstanden zu haben und dem Ende dieses Jahres mit Freude und Schrecken entgegensehe.
Ich bin sehr froh diese Jahr gemacht zu haben, liebe meine Arbeit hier meistens und bin dankbar für all die neuen Leute, die ich kennengelernt habe. Trotzdem vermisse ich natürlich meine Familie, Freunde und Hobbys von zu Hause und kann es kaum erwarten endlich wieder zu kochen, Cello zu spielen und im Garten zu sein. Aber das ist natürlich die rosarote Brille der Nostalgie die ich aufhabe, denn ganz ehrlich zu Hause werde ich auch wieder viel zu wenig Cello üben, anstatt in den Garten zu gehen sinnlos Zeit im Internet verschwenden und zum kochen bin ich dann bestimmt nicht motiviert genug, ah und natürlich werde ich mich auch ab und zu mit Freunden und Familie streiten. Ich bin ein klassischer Fall von „Ich-will-haben-was-ich-grad-nicht-haben-kann“ der meistens zusammen mit einer anderen Krankheit auftritt. „Was-ich-habe-ist-jetzt-nicht-so-toll-wie-ich-es-mir-vorgestellt-habe“
Aber glücklicherweise gibt es für beide Krankheiten die selbe Heilung und das ist dankbar sein. Daher kommt jetzt hier die Liste der Dinge für die ich in Peru dankbar bin, die mir hier besonders gefallen und all die Kleinigkeiten, die ich schnell vermissen werde,w enn ich wieder in Deutschland bin.
(Die Reihenfolge spielt keine Rolle, aber mit irgendwas muss man ja aufhören und anfangen.

1. Die Menschen hier sind im Allgemeinen sehr hilfsbereit, als vermeidlicher Tourist wird man immer wieder von Busfahrern gefragt ob man richtig eingestiegen ist, es wird gefragt wo man hin will und dann aufgepasst, dass man da auch hinkommt. Jetzt nach 10 Monaten ist das manchmal ein bisschen nervig, wenn ich nach Patabamba laufe und eine Peruanerin extra anhält bis wir sie eingeholt haben, nur um uns zu sagen, dass die Ruinen in die andere Richtung sind. Trotzdem ist es wirklich lieb und zugegebenermaßen ist es halt wahrscheinlicher, dass die beiden Gringas die Ruinen ansehen wollen, als dass sie unterrichten.

2. In Peru wird sich noch gegrüßt, natürlich geht es zurück und wird weniger aber normalerweise hat man die Omas und Opas und alle Älteren zu grüßen und wird im Gegenzug mit einem fröhlichen „Buenos días señorita!“ belohnt. Man glaubt gar nicht wie sehr das Grußwort eines Fremden einen die Laune verbessern und den Tag verschönern kann.

3. In Peru wird nicht geraucht, es gibt keine einheimischen Raucher auch in der Stadt nicht oder so wenig, dass sie auf die Rote Liste der Bedrohten Arten müssten. Neulich habe ich seit langem mal wieder Zigarettenrauch gerochen, ein Tourist neben mir war der „Übeltäter“ und da ist mir aufgefallen wie lästig das doch ist. (Rauchen ist in Peru sehr verpönt und gesellschaftlich nicht akzeptiert.)

4. Peruaner beschweren sich nicht oder nur sehr selten, egal wie viel Arbeit sie noch haben und wie wenig Freizeit ihnen noch bleibt sie machen was gemacht werden muss und manchmal machen sie eben auch mal nicht was sie machen sollten, aber sie beschweren sich nicht. Es gibt kein ewiges nörgeln und meckern und „Ich-kann-dass-gar-nicht-schaffen1“, „Das-ist-zu-viel!“ die Leute machen einfach und wenn man nicht so viel Zeit mit Beschwerden vergeudet schafft man ja dann doch meistens alles.

5. Die medizinische Versorgung und Informationen über Krankheiten nehmen immer mehr zu und sind im Vergleich zur sonstigen sozialen und wirtschaftlichen Lage des Landes überdurchschnittlich gut. Der Staat kümmert sich hier deutlich. Neulich zum Beispiel kam eine Krankenschwester in die Schule und hat alle Kinder, die noch nicht geimpft waren (sie hatte diesbezüglich eine Liste) geimpft. Einfach, schnell, unkompliziert und trotzdem hygienisch sicher in einem Klassenraum.

6. Die Frucht, Gemüse, Getreide und überhaupt Nahrungsmittel Vielfalt ist unglaublich. Es gibt immer frisches Obst zu kaufen, Gemüse im Überfluss und Quinua und Chiasamen, die bei uns als Super-Food zum teil teuer verkauft werden, bekommt man hier für 30ct das Kilo. Peru ist für ejden Vegetarier und Veganer und jeden der sich gesund ernähren will ein Paradies. Auch wenn es in den Gastfamilien traditioneller zugeht mit viel Fett und Fleisch, kann man hier alles finden was das Herz begehrt. (PS: Cusco ist eine wahre Fundgrube an veganen und vegetarischen Restaurants, Snackbars oder Cafés)

7. Die Landschaft in Peru ist einfach unglaublich schön und vielfältig. Es gibt Schneebedeckte Berge, Sandwüste, Küsten mit Klippen, dichten Regenwald und steppen-ähnliches Hochland… es gibt einfach alles. Die Landschaft ist immer noch atemberaubend und es wird mir immer ein Rätsel bleiben wie sie sich innerhalb von 2 Busstunden so verändern kann. Ich finde es schade, dass ich nicht alle sehen und genießen konnte, aber dafür hat die Zeit in diesem Jahr nicht gerreicht, ist aber nicht schlimm, dann komm ich halt mal wieder.

8. Die Tänze und Trachten, die ebenso farbenvielfätig wie schön und manchmal auch witzig sind. Jede Region, ja jede Gemeinde hat hier hier ihre eigene traditionelle Tracht mit Hut oder ohne mit Spitzenrock oder Faltenrock mit Bluse oder bunt bestickter Weste. Dazu kommen die traditionellen Tänze, die immer ein wenig anders sind und manchmal auch ganz verschieden und schon hat man ein Gesmisch aus Tradition und eben auch Bewahrung der Tradition. Bei den Fesrumzügen z.Bsp zum 191. Geburtstag der Provinz kommt dann alles zusammen und wenn man sich ein bisschen auskennt kann man schon von weitem sehen wer aus Oropesa und wer aus Urcos kommt.

9. Das Leben hier auf dem Dorf findet auf der Straße statt. Auch nachts sitzen die Leute noch draußen zusammen und unterhalten sich. Das Leben ist noch nicht so anonym und hinter verschlossenen Türen wie in Deutschland, obwohl man merkt, dass das langsam anfängt. Jetzt ist es aber noch normal, dass alle Kinder der Straße gemeinsam draußen spielen und man auf dem Plaza eine Gruppe alter Männer sitzen sieht die sich unterhalten, vor der Tür des Ladens sitzen die Frauen und stricken, das Leben hier ist noch nicht so privatisiert.

10. Die Familien sind hier noch groß und es gibt Kinder rund Babys. Über die Schattenseiten der geringen sexuellen Aufklärung habe ich ja schon oft geschrieben, aber selbst wenn die Menschen aufgeklärter wären würden sie noch deutlich mehr Kinder haben als in Deutschland. Familie ist hier wirklich wichtig und Kinder sind mehr so ein Gemeinschaftsprojekt der ganzen Familie, da läuft man eben mal ins Nachbarhaus um mit den Cousins zu spielen oder die Tante trägt ihre Nichte den ganzen Tag mit sich herum, weil die Mutter grad nicht kann. Es gibt viele süße Kinder und Babys und das ist ja auch so wichtig für Peru, eigentlich für jedes Land, denn die Jugend ist die Zukunft eines Landes und muss diese auch gestalten. (PS: in Peru ist es auch normal sein Kind überall und für mindestens 2 Jahre zu stillen, im Bus, beim Einkaufen, im gehen auf der Straße egal wo, eben einfach unkompliziert.)

Am Anfang dachte ich es wäre schwieriger 10 Sachen zu finden, aber jetzt ging es doch ganz einfach und ich könnt noch fortfahren mit vielen vielen anderen Dingen, die ich vermissen werde wenn ich wieder zu Hause bin und die ich jetzt in den letzten Wochen noch besonders genießen werde.

Liebe Grüße aus Peru

Eure Sue

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