Sonntag, 8. Mai 2016

Mama sein in Peru


Mama sein ist bestimmt sehr anstrengend, super viel Arbeit und manchmal auch eine (ganz) schöne Belastung. Egal in welchem Land der Welt und in welcher Kultur Mamas haben richtig viel Verantwortung zu tragen und zu erfüllen.
Trotzdem gibt es je nach Kultur Unterschiede und die peruanischen Mamas haben es schon ziemlich schwer.
In Peru ist das klassische Rollenbild noch stark erhalten und die Gesellschaft ist doch deutlich vom Sexismus geprägt. Es ist normal, dass die Frau alles im Haushalt macht und das bedeutet in Peru: mindestens zweimal am Tag was warmes kochen, das Geschirr der ganzen Familie mit der Hand abwaschen, das Haus putzen (in dem alle mit Straßenschuhen rumlaufen und das dementsprechend immer dreckig ist) und natürlich die gesamte Wäsche mit der Hand waschen und das bei ungefähr 4 Kindern und einem Mann. Fairerweise muss man sagen, dass sie dabei nicht ganz alleine ist, die Töchter der Familie müssen ihr entsprechend helfen und beim Wäsche waschen hilft der Mann des Hauses immer häufiger mit.
Trotzdem ist es grundsätzlich so dass die Frau den absoluten Großteil der Aufgaben alleine erledigen muss, immer mit dem Baby auf dem Rücken, wenn sie denn eins hat.
Dieses Bild sieht man hier jeden Tag: Frauen bei der Arbeit mit ihrem 2 Wochen bis 3 Jahre altem Kind auf dem Rücken. Das ist nämlich das Paradoxe Frauen sollen nicht nur den Haushalt machen und die Kinder großziehen, sie müssen auch arbeiten. In Peru ist es normal, dass Frauen zum Beispiel auf dem Bau oder Feld arbeiten und schon 2 Wochen nach dem sie Entbunden haben wieder „zur Tat schreiten“. Vom Staat aus gibt es einen geringen Mutterschutz, wenn ich mich nicht irre, dann gilt dieser von einem Monat vor bis einem Monat nach der Entbindung. Allerdings arbeitet wirklich viele Frauen im informellen Sektor, sie verkaufen Essen oder andere Dinge auf den Straßen und da ist die Rechnung leider schmerzlich einfach.
Verkaufst du nicht, verkaufst du nichts und es gibt kein Geld. Viele können es sich gar nicht leisten auch nur zwei Tage nicht zu arbeiten und die die Angestellt sind erhalten einen so geringen bis gar keinen Lohn, dass sie lieber auf den Mutterschutz verzichten.
Es ist hart in Peru Mama zu sein, vor allem weil fehlende Sexualkunde in den Schulen (eine ewige Diskussion, die bisher aber noch zu Gunsten des Verbots fällt) dafür sorgt, dass viele junge Mädchen Mütter sind bevor sie auch nur annähernd bereit dazu sind.
In Peru kommt dazu noch ein weiteres Problem, Abtreibung ist unter Gefängnisstrafe verboten. Ich persönlich bin nicht pro Abtreibung und denke, dass die deutsche Reglung dahingehend strenger sein sollte aber jede Frau hat ein Recht auf eine professionelle und hygienisch unbedenkliche Abtreibung, bei der nur der Fötus stirbt und nicht sie selber. Nun kann man sich ja ganz leicht vorstellen, oder man lässt es lieber sein, wie illegale Abtreibungen ablaufen und dass sie diese Anforderungen in keinster Weise erfüllen.
Als Mama ist man in Peru einer unglaublich großen Verantwortung ausgesetzt. Es gibt kaum Kindergärten und wenn, dann sind sie nicht bezahlbar und da es hier normal ist bereits vor Eheschließung Kinder zu bekommen (Hochzeiten sind so groß und teuer, dass man sie sich erst spät oder nie leisten kann), hat die Frau keinerlei Anrecht auf Unterstützung durch den Vater, wenn dieser sie und die Kinder verlässt.
Immerhin wird als Gegenleitung der Muttertag groß gefeiert. Letzte Woche ist in jeder Schule an einem Tag der Unterricht ausgefallen, weil für die Mamas gebastelt wurde, die anschließend in die Schule kamen um gemeinsam mit der Lehrerin und den Kindern zu feiern.
Ich weiß, dass man als Eltern keine Rechnung aufstellen darf und viel weniger zurückbekommt, als man investiert, dass ist nun einmal so. Aber grade hier finde ich den Preis den die Mütter tragen müssen viel zu hoch.
- 4.00 Uhr aufstehen
- Frühstück (Kartoffeln, Reis, Ei) kochen
- putzen oder schon mal Wäsche waschen
- den Kindern und dem Mann das Frühstück servieren (in Peru serviert immer die Köchin, man tut sich nicht alleine Essen auf)
- nachdem die großen Kinder aus dem Haus sind mit dem Baby auf dem Rücken und den zwei Kleinen an der Hand auf den Straßen irgendwas verkaufen (ja die Kinder sitzen dann zusammen mit ihrer Mama den ganzen Tag im Staub und Dreck der Straßen, was bei peruanischen Verkehr einfach nur lebensgefährlich ist)
- nach Hause gehen um für den Mann Mittag essen zu kochen
- wieder arbeiten
- abends nach Hause kommen
- Kinder ins Bett bringen, putzen, Geschirr abwaschen etc…
- um 22.00 Uhr oder später selber schlafen

Der Tagesablauf ist krass und noch krasser ist, dass sie sich nie, nie, niemals beschweren! Peruaner sind hart im nehmen, grade die Mütter, müssen sie auch sein. Es gibt keine andere Möglichkeit und deswegen wird es auch nicht hinterfragt. Ich finde das schon sehr bewundernswert und auch traurig, diese Frauen arbeiten ihr ganzes Leben lang.
Meine Gastmutter und sie gehört schon quasi zur Oberschicht, hat seid sie 10 war gearbeitet jeden Tag, ihren ersten Mann an den Alkohol verloren und geholfen ihre kleinen Schwestern großzuziehen. Jetzt arbeitet sie immer noch jeden Tag von 3.00 Uhr morgens bis 21.30 Uhr abends und kann wahrscheinlich nicht mal ihren ältesten Sohn der in Bolivien studiert besuchen. Seit Wochen geht diese Diskussion, weil sie nämlich zu seinem Geburtstag da sein möchte. Aber obwohl sie einen schon manchmal an Superwoman erinnert, kann auch sie nicht an zwei Orten gleichzeitig sein. Wenn sie nicht da ist wer soll dann kochen, die Kinder in die Schule bringen und den Haushalt und den Laden machen?
Ganz ehrlich der Vater könnte, dass nicht (weil er es nie gelernt hat) und ich hab echt Angst was hier abgeht, wenn die Frau des Hauses 5 Tage weg ist…




PS:
Ich möchte an dieser Stelle einmal meiner Mama danken und hoffe, dass es jetzt nicht völlig hohl klingt, wenn man vorher den obenstehenden Text gelesen hat. Mama danke, dass du immer für uns da bist, dass du unsere Familie zusammenhältst und immer weißt wo ich meine Sachen hin verschlampt habe. Danke, dass du immer hinter mir stehst und mich immer aufbauen kannst. Ich habe unglaublich viel von dir gelernt und eine richtig tolle Kindheit gehabt. Du bist eine Supermama und ich bewundere dich immer für all die Sachen, die du an einem Tag schaffst.
Ich hoffe, dass wir weiter so eng verbunden bleiben, egal wie weit und wie lange wir zwischendurch auseinander sind. Danke für alles und alles was noch kommen wird und ich hoffe einmal eine so tolle Mama zu sein, wie du es bist. (und wenn nicht haben meine Kinder ja immer noch eine super Oma) ;-)

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