Montag, 25. April 2016

Von Schülern und Lehren



Schon wieder sind die ersten zwei Monate des Unterrichtens vorbei und die Noten müssen gemacht werden!!!
Keine Ahnung wie die Zeit so schnell vorbei gehen konnte, oder was ich meinen Schülern überhaupt in der kurzen Zeit beibringen konnte…
Wir können festhalten, es ist viel passiert, aber nicht soviel, dass ich schon genug Noten zusammen hätte. Aber das wird schon noch irgendwie… hoffe ich zu mindestens, wenn nicht denke ich mir eben wie meine Kollegen (und ich rede von den echten Lehrern) einfach eine Note aus. ;-)
In Peru ist das System sowieso ein wenig seltsam es gibt Noten von 0-20, wobei 20 super und 0 dementsprechend super schlecht ist. Wenn man unter 11 Punkten hat, fällt man durch und muss theoretisch das Jahr wiederholen. Praktisch gibt es dann während der Sommerferien für die Sitzenbleiberkandidaten Nachprüfungen und Nachprüfungen der Nachprüfungen, so dass dann am Ende wirklich nur die schlechtesten der Schlechten durchfallen. Was ich ja eigentlich ganz sympathisch finde, leider geht damit unter den Schülern auch ein bisschen die Einstellung umher, sie könnten niemals sitzenbleiben auch wenn sie immer nur 5 Punkte haben. Im Allgemeinen sind den Schülern ihre Noten eigentlich egal. Mir aber nicht und meine Schüler schon gar nicht.

Der eine zum Beispiel: hauptberuflich Klassenclown, einer von denen die eigentlich so intelligent wären und so tolle Noten hätten, wenn sie es nur wollten. Hatte ich auch viele in der Klasse und meine Lehrer meinten immer zu ihnen sie könnten es besser, wenn sie es nur wollten. Habe ich schon damals für ein Gerücht gehalten und tue ich jetzt immer noch. Mein Schüler will sich zusammenreißen zeigt sich immer einsichtig in Einzelgesprächen, wenn es mal wieder besonders schlimm war und arbeitet die ersten 30 Minuten gut mit. Aber leider muss er eben auch cool sein und in den letzten 25 Minuten buchstäblich über Tisch und Bänke geben. Da frage ich mich schon ob er es nur wollen muss um es besser zu machen. Wahrscheinlich hat er sich schon so daran gewöhnt immer im Mittelpunkt zu stehen und Faxen zu machen, dass er es ganz ehrlich nicht einfach abstellen kann, wenn er es nur will. Ich weiß aber auch nicht so richtig wie ich damit umgehen soll, bisher hat er leider viel zu oft eine Extrawurst von mir bekommen und dass obwohl ich strenge Vegetarierin bin. Ok Spaß bei Seite, aber ich habe es früher immer gehasst, wenn genau für diese Jungs immer eine Ausnahme und noch eine Ausnahme und dann noch eine Motivationsausnahme gemacht wurde. Also werde ich versuchen ihm nicht immer eine 500. Chance zu geben, vielleicht hilft dass ja. Denn er kann es eben nicht einfach nur durch wollen besser machen, er muss es lernen und ich muss es ihm irgendwie beibringen.
In der selben Klasse gibt es noch einen anderen Schüler, der mir Kopfzerbrechen bereitet. Er ist immer aufmerksam, weiß viel bis alles. Schweigt außer er möchte etwas zum Unterricht beitragen, dann meldet er sich und gibt eine kluge und richtige Wortmeldung. Er ist einer meiner Lieblingsschüler (weil die jeder Lehrer hat, egal was sie behaupten) und ich bin wahrscheinlich auch seine Lieblingslehrerin… soll heißen dass wir (ich und die Freiwillige mit der ich die Klasse gemeinsam unterrichte) der Meinung und inzwischen fast Gewissheit sind, dass er auf mich steht.
Wäre ja gar kein Problem, denn er fragt nicht wie seine Klassenkameraden ständig nach meiner Telefonnummer und meinem Facebook, ist es aber doch. Die Klasse hat zwei Stunden Englisch in der Woche, wobei ich leider nur eine davon unterrichten kann, die andere übernehmen zwei andere Freiwillige. Wenn ich nicht da bin arbeitet der Schüler einfach nicht, er schreibt nicht von der Tafel ab, er meldet sich nicht er wartet einfach bis die Stunde vorbei ist, das immerhin ohne zu stören.
Ich hab es ein bisschen vor mir hergeschoben mit ihm zu reden, weil das natürlich irgendwie ein sehr sensibles Thema ist und ihm dann gesagt, dass er bitte bei allen Lehrern so gut mitarbeiten soll wie bei mir. Hoffentlich hilft dass, meine Schüler sollen ja nicht mich lieben sondern Englisch!!!
Trotzdem bin ich sehr zufrieden damit wie es läuft. Und im Vergleich mit den Lehrern vor Ort stehe ich auch eher gut da. Ich nehme ja jetzt einmal in der Woche am Quechuaunterricht teil und das ist einfach nur unpädagogisch. Es ist noch nicht mal direkt pädagogisch falsch aber man hat einfach das Gefühl, dass der Lehrer noch nie einen Pädagogikkurs belegt hat.

Es ist also alles nicht so schlimm noch nicht einmal im direkten Vergleich.

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