Freitag, 8. April 2016

Das Zahnmonster zu Besuch in Weit-Weit-Weg

Als ich Ccapi vor mittlerweile fünf Monaten verlassen habe, habe ich den Menschen und mir selber versprochen wiederzukommen.
Diese Woche war es so weit ich bin, wenn auch nur für 3 Tage nach Ccapi zurückgekommen zusammen mit Johanna und einer Mitfreiwilligen und jeden Menge Zahnbürsten und Zahnpastas im Gepäck.
Nach viel zu vielen Monaten Vorbereitung ständigem pendeln zwischen Cusco und Oropeas in den letzten Wochen und viel zu vielen schlecht verbundenen und dadurch knarzenden Telefongesprächen nach Ccapi, war es am Dienstag endlich so weit.
Ich steige in den viel zu kleinen Bus um eine viel zu unbequeme Reise (auf jeder Schulter der Kopf einer anderen mir völlig fremden und tief schlafenden Peruanerin) in das Land Weit-Weit-Weg anzutreten.
Meine Emotionen lagen irgendwo zwischen Nervenzusammenbruch, Euphorie und Angst, weil ich als Hauptverantwortliche natürlich auch wollte, dass alles klappt- oder zumindest die Hälfte. Ein Glück hatte ich Johanna und Marie an meiner Seite, die nicht nur zuverlässig und motiviert sondern auch absolut kompetent sind.
Nach einer sehr kurzen Nacht (4.30 Stunden) in einer hygienisch fragwürdigen Unterkunft mit einem hygienisch sehr bedenklichem Klo, ging es am Mittwoch los.
Eins gleich vorweg ich kann es immer noch nicht fassen wie gut alles funktioniert hat. Zu sagen es wäre gelaufen wie ein Länderspiel, wäre untertrieben, es sei denn man bezieht sich auf das Spiel Deutschland gegen Brasilien in der letzten WM. Gut ich hatte auch in dem von mir herausgegebene Ablaufplan immer heimlich eine halbe Stunde Wartezeit überall dazugeschmuggelt, sodass wir völlig überpünktlich und gnadenlos zu früh gewesen wären, hätten wir ihn tatsächlich eingehalten...
So waren wir einfach nur pünktlich.
Das erste Dorf war Parrco eine kleine Gemeinde mitten im nirgendwo.
Als wir ankamen waren genau zwei Kinder da, nach einer halben Stunde Wartezeit 8. Acht sind mehr als keins, haben wir uns gedacht und angefangen. Also Zahnbürsten und Zahnpasta verteilt und gleich mal ausprobiert, beim gemeinsamen Zähneputzen. Unter Anleitung der zwei Zahnärzte, die uns begleiteten konnte man sehen wie diese Kinder zu Teil sicherlich das erste Mal in ihrem Leben eine Zahnbürste in der Hand hatten. Doppelt hält besser, deswegen haben wir mit allen Kindern zu erste gelernt mit Zahncreme zu putzen und dann im Anschluss die Zähne und das Gelernt noch einmal mit Flourgel gefestigt.
Dann stießen wir auf das erste Problem, die Kinder konnten anscheinende kein Spanisch sondern nur Quechua. Also haben wir kurzfristig den Lehrer angeheurt als Übersetzer einzuspringen. Als die Kinder aber einmal das Zahnmonster (eine selbstgebastelte Sockenpuppe von Johanna zu Leben erweckt) kennengelernt hatten, konnten sie auch auf einmal Spanisch. Feuer und Flamme waren sie und hin und her gerissen zwischen Angst und Belustigung gegenüber des Monsters und jeder wollte es mal füttern. Ob dem Monster wohl Sublime (peruansiche Schokolade) schmeckt? Oder mag es vielleicht Wasser?
Grade als wir unser Programm beendet hatten, kam der Lehrer zu uns und meint: "Es sind noch mehr Kinder gekommen." Draußen standen wieder acht Kinder, also alles nocheinmal und grade als wir gemeinsam das Zahnmonster weggeputzt hatten, kam der Lehrer und meinte wieder: "Es sind wieder Kinder gekommen..." Also ein drittes Mal inzwischen schon als eingespieltes Team.
Nach diesem schönen Beginn ging es nach Perco mit siebzig Kindern die größte Herausforderung. Dank der motivierten Lehrer war es aber auch hier einfach nur schön und teilweise auch lustig die Kinder zu beobachten und anzuleiten. Gemeinsam haben wir gelernt wie man eine Zahnbürste anfässt und benutzt. Wie oft man sich die Zähne putzen muss und wie man das Zahnmonster besiegt.
Die letzte Station auf unsere Reise für diesen Tag war Chocho.
Chocho wird mir zwangsweise noch lang bildhaft in Erinnerung bleiben, denn ich trage die Beweise wahrscheinlich noch wochenlang mit mir herum. In Chocho sind die Kinder zu Straße gekommen und wir haben draußen und freien unser Programm gemacht. Neben begeisterten Kindern gab es auch begeisterte Mücken. Hmmm Gringa-Blut, das schmeckt besonders gut... Jedenfalls sind meine Arme mein Hals und mein Gesicht völlig zerstochen un teilweise auch eklig angeschwollen.
Am zweiten Tag waren wir morgens in den beiden Vorschulen Ccapis, auch hier waren die Kinde unglaublich aufmerksam und man konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, als der eine Junge auf unseren Aufruf sich die Zähne zu putzen um das Zahnmoster zu besiegen rief: "Es soll einfach nur sterben!"
Man soll aufhören wenn es am schönsten ist oder das beste kommt zum Schluss, selten sind diese Sprichwörter so wahr wie in Oyullo unsere letzten Station.
Wie kommt man nach Oyullo? 
Ganz einfach man fährt da hin wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und wo sonst quasi nie einer hinkommt und wenn man dort angekommen ist fährt man noch gute drei Stunden weiter ins Nichts. Da liegt Oyullo mit einer der besten Dorfschulen, die ich gesehen habe und einem wahnsinnig netten und motivierten Lehrer.
Ich hoffe ich werde die großen Augen der Kinder nie vergessen, als sie zum ersten Mal Gringas sahen. Oder ihre Schaum verschmierten Gesichter beim Zähneputzen. Und ihr Lachen als das Zahnmonster sich angeekelt vom Reis wegdreht und stattdessen lieber über die Inka-Cola herfällt...

Ich möchte an dieser Stelle allen Spendern aus Deutschland ganz herzlich Danken! 
Und weil Bilder mehr sagen als tausend Worte und der Eintrag eh schon viel zu lang ist, gibt es auf der Foto-Seite extra viele Bilder. Ich hoffe die Dankbarkeit der Einwohner lässt sich so ein bisschen vermitteln. Im nahmen der Kinder bedanke ich mich und hoffe sie haben wenigstens halb so viel Freude wie ich, wenn sie sehen wozu Sie beigetragen haben.

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