Dienstag, 8. März 2016

Wenn nächsten Sonntag Wahlen wären…

würden 30% der Peruaner Keiko Fujimori wählen.
Wenn einige Leser jetzt das Gefühl haben den Namen schon mal irgendwo gehört zu haben- habt ihr. Keiko ist die Tochter von Alberto Fujimori. Wie der Vater so die Tochter, die mit echt unvorstellbar großen Wahlkampanien versucht in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, der war nämlich schon einmal Präsident und zwar von 1990-2000.
In seiner Amtszeit wurde die heutige Verfassung Perus äh- verfasst und in Kraft gesetzt, was ja eigentlich ganz nett klingt. War es aber nicht, denn Fujimori  (der Vater) hatte nichts besseres zu tun als den peruanischen Kongress einfach mal so aufzulösen und eine „Regierung des Notstandes und der nationalen Umstrukturierung“ zu etablieren.
Kommt uns doch bekannt vor oder? Man nennt so etwas im allgemeinen Sprachgebrauch auch- Diktatur!
Fujimori hat also seine eigene Verfassung außer Kraft gesetzt und mit Hilfe des Militärs 10 Jahre lang das Land regiert. Laut Verfassung darf ein Präsident zwar wieder gewählt werden, allerdings nur nach einer 5-jährigen Pause, was in Peru einer Legislaturperiode entspricht.
Fujimori hat dann letztendlich eine Zwangspause gemacht er musste nämlich fliehen, weil er wegen Menschenrechtsverletzung und Korruption angeklagt wurde. Letztendlich haben sie ihn dann doch gefasst und für mehrere Jahre inhaftiert.
Keikos Vater sitzt also im Gefängnis, weil er eine Diktatur errichtet hat wo eigentlich eine Demokratie hätte sein müssen und nun ist Keiko Spitzenkandidatin.
Es ist natürlich nicht fair die Tochter für die Verbrechen des Vaters verantwortlich zu machen und ich würde ihr ja auch eine Chance geben. Aber sie ist nun Mal auch Favoritin der rechten Strömung Perus und Teil ihres Wahlprogramms ist die Begnadigung (aka. Freilasuung) ihres Vaters. Weshalb sie in meinen Augen auf keinen Fall die Wahl gewinnen sollte, denn die Vermutung liegt nahe, dass der Apfel nicht so weit vom Stamm fällt.
Ein bisschen Hoffnung gibt es allerdings, denn um Präsident zu werden braucht man die absolute Mehrheit. Die wird Keiko aber nicht erreichen, weil 1/3 dann halt doch nicht das ganze Land ist, also wird es in die Stichwahl gehen. Die beiden Kandidaten mit den prozentual meisten Stimmen, treten in einer zweiten Wahl gegeneinander an und der Siege… gewinnt.
Das Keiko überhaupt so gute Chancen hat  liegt meiner Meinung nach nicht an einer besonders starken rechten Tendenz des Landes, sondern viel mehr a der fehlenden politischen Bildung. In den Schulen gibt es kein Unterrichtsfach, dass politisches Wissen vermittelt und das politische Interesse der Bevökerung geht gegen null.
Man kann es den Peruanern ja auch nicht verübeln, wenn sie einem erklären: „Die sind doch eh alle Korrupt, egal wen man wählt!“, den ganz ehrlich höchst wahrscheinlich haben sie recht.
Peruaner würden also am liebsten überhaupt nicht wählen gehen, weil die Wahl zwischen Pest und Kolera eben nicht besonders motivierend ist. Dieses Problem ist der Regierung immerhin auch aufgefallen, weswegen es eien Wahlpflicht gibt. Wer nicht wählt zahlt! Über die Höhe des Busgeld ist sich die Bevölkerung nicht ganz einig, irgendwas zwischen 50-200 Sol. (Umgerechnet 14-55 Euro)
Für so eien arme Bauernfamilie auf dem Land ist das allerding wirklich viel geld und deshalb gehens sie wählen. Ohne die geringste Ahnunhg was sie da wählen. Wahlprogramme gibt es nur von wenigen Parteien und sie sind auch nicht einfach zugänglich. Deshalb gibt es eine andere fast schon Propagandamethode um Wählerstimmen zu gewinnen.
Wen man nicht mit Inhalten punkten kann,dann eben mit Geschenken! Geld entscheidet die Wahlen. Der Kandidat mit dem meisten Geld kann die meisten Geschenke an die Landbevölkerung machen. Ein Nachmittag in den Dörfern, jedem Kind eine Tafel Schokolade und einen Bleistift geschenkt und zack sieht die Wahlprognose besser aus…
So funktioniert real Politik in den ländlichen Regionen nuneinmal.
Am Wahltag gehen dann alle Wahlberechtigten (ab 18 Jahren) in ihre Municipalidad oder díe Gesamtschule und wählen.

Es werden immer gleichzeitig der Präsident, das Kabinett und das regionale Parlament gewählt und zwar mit Hilfe von Bildern und Ziffern.
Ein Wahlzettel hat drei Spalten. In der ersten Spalte sind untereinander die Gesichter aller Präsidentschaftskandidaten abgebildet und daneben das Logo ihrer Partei. Mindestens eins von beiden muss man ankreuzen, also entweder die Partei oder das Porträt des Kandidaten (ein Name steht nicht dabei), dass kommt auf das Selbe hinaus.
In der zweiten Spalte, für die Kabinettswahlen sind ebenfalls untereinander alle Logos der Parteien abgebildet und neben jedem Bildchen sind zwei leere Kästchen. Jetzt muss man zuerst die Partei ankreuzen, die man wählen will und dann muss man in jedes der beiden leeren Kästchen eine Ziffer schreiben. Jede Ziffer steht hierbei für einen Kandidaten dem man einen Sitz im Kabinett zusprechen will. Deshalb sind auf den Wahlplakaten neben den Gesichtern der Politiker auch immer noch die jeweilige Ziffer zu sehen, die muss man sich dann bis zum Wahltag merken.
Ich hoffe das war ein wenig verständlich, wenn ihr jetzt total den Überblick verloren habt, dann geht es euch wie einem Großteil der Peruaner.
Also einfach irgendwas ankreuzen, wird schon schief gehen!



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