Mittwoch, 24. Februar 2016

Karneval überall

Nach einer langen urlaubsbedingten Schreibpause bin ich wieder zurück mit Neuigkeiten aus Peru.
In Peru ist oder war bis vor kurzem noch Karneval.
Ich dachte immer der Karneval in Deutschland sei groß, laut, bunt und blau aber verglichen mit dem was ich hier erlebt habe ist das gar nichts. Früher habe ich Karneval immer ignoriert, das höchste der Gefühle war ein Krapfen zu essen, wobei ich die Marmelade immer raus mache, weil es sonst zu süß ist.
Hier kann man Karneval aber nicht ignorieren, wenn man ein Gehör, Sehvermögen oder Geruchssinn hat.
Irgendwann eines Tages kam meine Gastmutter runter und meinte jetzt sei Karneval und damit war es beschlossene Sache. Ich weiß nicht mal ob es hier so etwas wie den 11.11 um 11.11 Uhr gibt oder ob das jede Familie mehr oder weniger selber festlegt. Tippen tue ich ja auf letzteres.
Was bedeutet Karneval in Peru? In drei Wörtern: Laut, Nass, Betrunken.
Heir ist es nämlich Tradition sich zum Karneval gegenseitig nass zu spritzen oder wie es mein kleiner Gastbruder interpretiert sich bis auf die Knochen durchzuweichen. Für zwei ganze Wochen musste man immer Angst haben gleich von einer Wasserbombe getroffen zu werden, die man vorher selber zusammengeknotet hatte. Wäsche waschen war quasi ein Ding der Unmöglichkeit, weil gewisse große und kleine Kinder (aka. Alle meine Gastbrüder 6-21 Jahre) es richtig witzig fanden einen Maßbecher und manchmal auch Eimer voller Wasser über den Kopf zu kippen.
Wo Wasser ist da ist auch… Mehl, so lautet ein bekanntes peruanisches Naturgesetz. In Realität bedeutet das bist du einmal nass kommt von irgendwo Mehl und du bist dann zwar immer noch nass aber eben auch weiß. Dieser Kleinkrieg wird nicht nur zu Hause geführt sondern auch im großen auf der Straße und ich habe schon junge klitschnasse Mädchen über und über mit Mehl und Rasierschaum verschönert nach Hause gehen sehen.
Es sind bürgerkriegsartige Zustände auch was die Geräuschkulisse angeht, denn was ja jeder weiß die bösen Geister haben Angst vor Böllern, Krach, Rauch!
Ständig und zwar wirklich 24/7 explodiert irgendwo irgendwas unterschiedlich laut und stark.
Und auch das wieder auf den Straßen und in den Häusern. In Bolivien durfte ich live erleben wie die Hostelbesitzer erst mit einer Raucherschale alle Zimmer abgeschritten haben und dann in der Eingangshalle Knaller und Böller gezündet haben um dann zum Abschuss alles mit Bier zu bespritzen (einschließlich meines Gepäcks und mir).
Diese Prozedur soll Unternehmen und Firmen aller Art Glück im nächsten Jahr bringen und wirtschaftlichen Erfolg. Wobei der Erfolg direkt proportional zur Anzahl der gezündeten Böller zu sein scheint, denn es wird nach der Faustregel viel hilft viel gezündet.
Und jetzt stellt euch mal vor ihr kommt 5 Uhr morgens nach 6 Stunden Busfahrt im Busterminal an, wo es ungefähr 30 kleine Busunternehmen gibt und jedes aber wirklich jedes zündet in der riesigen Halle mit optimalem Echo und 0.0 Schalldämpfung Böller. Ach ja und ihr müsst 5 Stunden warten in diesem Terminal…
Aber Karneval ist natürlich auch Festumzug und Blaskapelle. Ich finde Blaskapellen ja persönlich seht kultig, weil man ja schon gar nicht davon ausgeht, dass die Instrumente gestimmt oder die Musiker gut sind. Im Gegenteil Blaskapellen müssen schief klingen, sonst ist es keine Blaskapelle. Trotzdem bevorzuge ich inzwischen die Blaskapellen, die nur aus Panflöten bestehen, weniger laut, weniger schief, weniger penetrant, wenn man morgens um 4.00 von ihnen geweckt wird.
Allen Spot und Witzeleien jetzt mal ganz Karneval untypisch beiseite. Es ist schon schön die bunt verkleideten Menschen oder sind es Tiere oder Fantasiegestalten ? vorbei ziehen zu sehen.
Mit den großen zum Teil gruseligen zum Teil witzigen Teufelsmasken. Die Frauen in ihrer typischen Tracht, die Röcke die hochwirbeln und an farbenfrohe Kreisel erinnern. Junge Männer mit kniehohen Stiefeln, die über und  über mit Schellen besetzt sind und allein beim Gedanken an sie klingeln. Das beste von allem sind aber ungeschlagen die Kleinkinder super stolze 3- jährige deren Körpergewicht ziemlich genau der Masse ihres Kostüms entspricht und die tanzen, singen und marschieren so gut sie es eben können. So süß da wird selbst der größte Karnevalsmuffel weich.
Was ich persönlich ja auch ganz ironisch fand ist folgendes all zu häufiges Bild.
Junge Mann mit Monterkostüm das irgendwo zwischen Bummi aus dem Spielzeugladen und dem Yedi anzusiedel ist mit- der Bierdose in der Hand.
Oder besser
Junges Mädchen mit Absätzen die schon fast Folterinstrumente sind, einem Miniminirock, Korsett und kessem Hut mit- der Bierdose in der Hand.
Oder noch besser
Alte Oma mit einem Rock und mindestens fünf Unterröcken, Bluse und Schal mit- Bierdose in der Hand…


Letztendlich ist Karneval ist Karneval ist Karneval: die Leute tanzen, singen, trinken, feiern, trinken noch ein bisschen mehr, verkleiden sich und mokieren sich um dann am Ende noch ein bisschen was zu trinken.

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