Donnerstag, 7. Januar 2016

Legendäre Mythen

Ich bin ein Freund der Wissenschaft, insbesondere der Naturwissenschaften.
Für mich existieren Dinge immer dann, wenn es unumstößliche Beweise gibt und immer dann nicht, wenn es keine Beweise gibt.
Mein Leben ist daher sicherlich um einige Mythen und Legendär und vielleicht auch Hoffnungen ärmer, aber so ist es nun einmal.
In Peru gibt es aber viele Legenden und Mythen und manchmal sind diese so unvorstellbar für mich, dass ich sie erst für Witze gehalten habe.
Es gibt Alltagsmythen, Situationsmythen und richtig abgefahrene Sachen.
Ich fange Mal mit den Situationsmythen an:
Die Straße vor unserem Haus wird neu gemacht, sie ist am ehesten mit Kopfsteinpflaster zu vergleichen. Seit zwei Tagen wecken uns also die lieblichen Klänge der Presslufthammer, die die Straße aufstemmen. Als sie die Arbeit begonnen haben, lag so ein bisschen Weltuntergangsstimmung in der Luft. Die Legende besagte kein Wasser für 3 Wochen!!!
Kurzfristig wurden also alle Wannen, Töpfe und Eimer, die zur Verfügung standen mit Wasser gefüllt… Ich habe mir eigentlich schon gar keine Sorgen gemacht. Natürlich ist die Vorstellung drei Wochen keine Wäsche, kein Geschirr, noch sich selber waschen oder die Klospülung benutzen zu können nicht grade toll, aber mir war schon da klar, dass das wieder nur so ein Mythos ist, der sich nicht bewahrheiten wird. Mal sehen was dabei jetzt rauskommt, bisher gibt es noch Wasser und wahrscheinlich werden wir wirklich ein, zwei, drei Tage ohne Wasser auskommen müssen. Aber drei Wochen werden es wahrscheinlich nicht werden, obwohl es ist Peru und damit fast alles möglich.
Neben diesen kleinen Legenden gibt es noch die richtig großen abgefahrene Sachen, hier ein Beispiel:
Hinter den Bergen von Oropesa soll ein Geist leben, der Menschen tötet und frisst. Wenn man in sein Einflusskreis hinein wandert wird er in der Gestalt eines geliebten Menschen erscheinen.
So nach dem Motto: „Mensch Johanna, wo kommst du den plötzlich her, hättest mir ja mal sagen können, dass du auch wandern gehst heute...“, dann sagt der Geist in der Gestalt von Johanna: „Ja ich wollte mal spontan sein, lass uns doch jetzt zusammen weitergehen...“
Nach kurzer Zeit wird das Opfer (ich) dann ganz müde und schläft ein und dann nimmt der Geist seine eigentliche Gestalt an und bringt das schlafende Opfer um. Da haben die Leute hier auch echt Angst vor und selbst die Jugendlichen glauben daran.
All das sind für mich nette Geschichten, die mich aber im Alltag aber nicht tangieren. Ganz anders sind da die Alltagsmythen an die wir uns innerhalb unsere Gastfamilien halten müssen und von denen es erstaunlich viele gibt:

- wenn man Brot und Wasser zusammen isst/trinkt bekommt man Bauchkrämpfe
- wer zu viel Kaffee trinkt bekommt Typhus
- wenn ein Hund vergiftet wurde, muss man ihm den Schwanz abschneiden um ihn zu retten
- wenn ein Uhu nachts ruft wird jemand im Haus gegenüber sterben
- wenn du nicht getauft bist wird dich der Blitz treffen
und so weiter und so fort…

Mein persönlicher Favorit ist folgender Mythos: Wenn man mit dem Finger auf wachsendes Obst oder Gemüse zeigt, wird es nicht mehr weiter wachsen. Da ist eine meiner Mitfreiwilligen neulich voll in ein Fettnäpfchen getreten. Im Laufe eines Gespräches mit ihrem Gastvater hat sie auf einen Kürbis gezeigt, worauf der Gastvater ziemlich sauer geworden ist. Er hat ihr erklärt sie hätte jetzt den Kürbis umgebracht und sie hat verständlicher Weise gedacht, dass das ein Witz sein soll und gelacht, dass kam nicht so gut an.
Zu ihrer Verteidigung muss man allerdings sagen, dass der peruanische Humor schon etwas eigen ist. Manchmal ist er echt witzig, manchmal verstehe ich ihn überhaupt nicht.
Was hier zum Beispiel ständig gemacht wird, ist eine falsche Nationalität angeben.
Neulich war Besuch da und einer der Männer hatte wirklich sehr helle Haut und meinte zu uns er komme aus der Schweiz. Wir also so: „Oh, schön wie lange leben Sie denn schon in Peru…?“, worauf alle sich prächtig amüsiert haben, weil er in Wirklichkeit Peruaner ist. Der selbe Humor hat fünfzehn Minuten später nochmal funktioniert,diesmal bei einer Frau, die wirklich sehr asiatisch aussah. Alle meinten sie sei aus Japan, am nächsten Tag habe ich erfahren, dass das auch nur ein Witz war, weil auch sie eigentlich Peruanerin ist.
Ich meinte dann so zu meiner Gastfamilie, dass ich diese Art von Witze echt nicht verstehe. Es wäre doch auch nicht witzig, wenn ich behaupten würde ich wäre Französin… darauf hin sind sie fast vor Lachen gestorben…
Es ist also nicht immer Leicht zu wissen, wann was ein Scherz ist und wann die Menschen wirklich daran glauben. Ein paar Witze sind aber anscheinend universell zum Beispiel der „witzigste Zwillingswitz“ den ich schon in jedem aber wirklich jedem Lande der Welt gehört habe:
„Tätowiert euch doch einfach euren Namen auf die Stirn...“ HA HA HA
Aber wenn man sich ein bisschen daran gewöhnt hat und ein Gespür für den peruanischen Humor und Aberglauben entwickelt hat, kann man auch selber den ein oder anderen Witz machen:
Neulich kam mein Gastvater so zu mir und meinte: „Schau dir das an!“, dabei zeigte er auf seinen doch sehr prallen Bauch. Normalerweise weiß ich immer nicht was man dann dazu sagen soll, diesmal war ich aber recht schlagfertig und meinte so: „Wird es ein Junge oder ein Mädchen?“, und mein Gastbruder, der alles mitbekommen hat so richtig trocken: „Nee dass werden Zwillinge...“
Ja das fanden sie richtig witzig, so witzig dass jetzt immer noch manchmal gefragt wird, ob die Wehen denn bald mal einsetzen.

Man muss es eben mit Humor nehmen, alles eigentlich. Also hier drei ultimative Überlebenstipps zur Integration:
- Lächle, wenn es nicht zum weinen reicht
- Lächle, wenn alle anderen lachen, wahrscheinlich war grade was witzig und so denken sie zumindest, dass du es verstanden hast
- Lächle, wenn es keinen Sinn macht und du es nicht verstanden hast, so denken sie vielleicht, dass du dumm bist aber immerhin auch freundlich
- und Last but not Least lache,wenn die Situationskomik, der Humor oder deine eigene Gemütslage es hergeben

Liebe Grüße aus Peru
Eure Sue

PS: Auch wenn man nicht im Ausland ist, sonder auf Arbeit oder in der Schule sollten man den letzten Absatz mal ausprobieren...


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