Freitag, 1. Januar 2016

Dieses Ende wird ein Anfang sein

Jetzt liegen sie also hinter uns, die Feiertage. Weihnachten ist vorbei, die seltsame Woche zwischen dem 24. und dem 31. ebenfalls genauso wie Silvester.
Das neue Jahr ist gerade 11 Stunden alt, ein echtes Baby keine Ahnung wie seine Zukunft aussieht.
Wird es ein Problem-oder ein Wunderkind?
Es hat es ganz schön schwer sich mit seiner großen Schwester 2015 zu messen, denn 2015 war in jeder Hinsicht ein super Jahr für mich. Es hat sich soviel verändert und ich bin einfach nur Dankbar.
Dankbar für die Menschen die im letzten Jahr in mein Leben getreten sind und dankbar für die Menschen, die schon sehr lange in meinem Leben sind.
Ja 2015 war schon toll, auch wenn es etwas holprig anfing und wie jedes Jahr zwischendurch mal ein bisschen bergab ging. In den letzten Sekunden war ich mir sehr sicher, dass es das beste Jahr meines Lebens war.

Grade die Feiertage sind immer besonders schwierig, wenn man im Ausland ist. Für viele der anderen Freiwilligen war Weihnachten wahrscheinlich eine echte Enttäuschung für mich nicht.
Schon Wochen vorher hat sich angedeutet was sich zwei Tage vorher als Tatsache manifestiert hat:
Weihnachten ist in Peru keine große Sache. Anfangs war ich darüber auch sehr traurig, keine Geschenke, keien Plätzchen, keine Weihnachstlieder…
Tatsächlich hat nur unser kleinster Gastbruder so eine Brettspielesammlung bekommen, von der ungelogen drei Tage später schon mehr als die Hälfte der Spielfiguren gefehlt hat. (Sein großer Bruder und ich wollten es ja zwischendurch mal aufräumen und ihn überzeugen, dass auf dem Sofa spielen nicht so eine tolle Idee ist…. Gebracht hat es, dass der kleiner Gastbruder zwei Tage lang sauer auf uns war, weil wir sein Geschenk angefasst haben…)
Wir haben also zu Weihnachten um 22. Uhr heiße Schokolade gegessen und Paneton gegessen, eine Art Milchbrötchenkuchen mit Früchtestückchen. Dann sind fast alle 22.30 Uhr ins Bett gegangen. Der verbliebene Rest zu dem ich auch gehörte hat sich allerdings noch sehr lange unterhalten, so dass ich wie sich das gehört erst am frühen Morgen ins Bett gegangen bin.
Am 25. kam dann groß Besuch und es wurde gegessen. Im halbstündigen Abstand gab es erst einen vollen Teller Reis mit Gemüse und Meerschweinchen und danach Salat Süß-und Pellkartoffeln mit Schweineschwarte. Einmal mehr war ich einfach nur Dankbar Vegetarierin zu sein, sonst hätte ich das glaube ich nicht überlebt.
Weihnachten war zumindest für mich, dann doch echt schön. Ganz anders aber wenn man bereit ist sich darauf einzulassen, dann kann auch so ein Mini-Weihnachten unvergesslich sein.
7 Tage später, denn dass ist auch in Peru so war dann der letzte Tag des Jahres und ich stand vor der letzten „großen“ Entscheidung. Sollte ich nach Cusco gehen und mir das super Feuerwerk ansehen oder zu Hause bleiben?
Ich habe mich letztendlich als einzige der Freiwilligen entschieden bei meiner Gastfamilie zu bleiben. Schließlich kann ich mich noch in jedem anderen Jahr in Deutschland auf überfüllte öffentliche Plätze stellen und mir schöne Flammenfärbung ansehen.
Wie ist als Silvester in Peru. Als erstes haben wir das ganze Haus aufgeräumt und dann Abendbrot gekocht. Anschließend sind ein paar Cousins und Cousinen vorbei gekommen und wir haben alle beschlossen zur kleinen Kapelle auf dem Berg zu wandern, weil man von da aus super über die Stadt sehen kann. Haben wir dann auch gemacht und selber ein bisschen was gezündet. Allein für den Ausblick über die erleuchteten Straßen und Fenster Oropesas hat es sich gelohnt. Pünktlich zu Mitternacht waren wir wieder zu Hause, mein Gastvater hat gerade eine Reportage über Psychiatrien in der NS Zeit gesehen. Darauf hatte ich in den letzten 20 Minuten des letzten Jahres überhaupt keine Lust, also habe ich meinen Punsch (Ananassaft mit Zimt und Zucker) im Wohnzimmer getrunken. Glücklicherweise war mein ältester Gastbruder so empathisch sich erstens vorzustellen, dass ich nicht sehen will wie Leute mit Elektroschocks gefoltert werden, und zweitens auch keine Lust hatte ganz allein im Wohnzimmer zu sitzen.
Um Mitternacht sind wir alle auf das Dach gestiegen und haben uns Feuerwerk angesehen und ein zwei Raketen gezündet.
Dann haben wir uns umarmt uns ein Frohes Neues Jahr gewünscht und uns gegenseitig gelbes Konfetti auf die Haare gemacht. Eine echt niedliche Tradition, deren Beweisstücke ich bestimmt noch in drei Jahren in meinen Locken finden kann.
Um 24.30 Uhr ist dann der Großteil ins Bett gegangen. Nur der verbliebene Rest von Weihnachten ist auch diesmal verblieben und hat noch Weintrauben gegessen. Eigentlich muss man 12 essen, 6 dunkle und 6 helle, aber im laufe des Gesprächs haben wir bestimmt 100 gegessen und so schon mal für die nächsten Jahre vorgesorgt, sollte es da keine Weintrauben geben…
Irgendwann um kurz nach drei war ich dann ziemlich am Ende meiner Kräfte und Silvester endgültig vorbei.
Heute morgen bin ich um 10.30 Uhr aufgestanden, so lange hab ich nicht mehr geschlafen seit dem Tag nach meinem Matheabitur. Als ich runter kam gab es Adobo, ein sehr saure Zwiebel-Rindsuppe, und wiedereinmal mehr konnte ich mir innerlich auf die Schulterklopfen für meine Essensentscheidung. Denn ganz ehrlich jeder der am Vortag auch nur ein Glas Wein getrunken hat, hätte sich durch dieses saure Suppe genötigt gesehen, den Essenstisch vorzeitig zu verlassen und die Küche gegen das Bad einzutauschen...

Liebe Gruesse aus Peru
Eure Sue

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