Montag, 23. November 2015

Müll, Müll, Müll, (Sondermüll)

Ein wichtiger Teil unserer Arbeit hier ist die Projektarbeit. Heißt also, dass wir neben dem Unterrichten, Unterricht vorbereiten und Examen korrigieren auch soziale Projekte ins Leben rufen und umsetzten sollen.
Wenn eine s o völlig freie Hand gelassen wird so wie es im Baumhaus-Projekt der Fall ist, dann muss man erst einmal eine Idee haben, was der Inhalt eines solchen Projekts sein sollte.
Die Idee zu unserem ersten Projekt kam uns ungefähr 5 Tage nach unserer Ankunft in Peru, war sie doch allgegenwärtig, nicht zu übersehen und in ihrem Ausmaß erschreckend groß.
Die Umweltverschmutzung…
Müll, Müll, Müll und noch mehr Müll und zwar quasi überall, die Leute schmeißen leere und auch volle Plastiktüten, jede Art von Plastemüll und auch Autoreifen einfach in die Umwelt. Das liegt zum Teil an der nur sehr sporadischen Verfügbarkeit von Mülleimern. Aber zu einem wesentlich größeren Teil an der Unwissenheit und der fehlenden Sensibilisierung der Bevölkerung.
Ich war in Deutschland nie ein besonders großer Umweltschützer, natürlich denke ich dass wir unsere Erde besser behandeln sollten und es war mir auch nie egal, aber ich hab mich nie aktiv dafür eingesetzt.
Das hat sich jetzt geändert. Wenn man erst mal nicht mehr ignorieren kann, wie viel Müll und Verschmutzung es gibt, dann wird man entweder traurig, abgestumpft oder eben aktiv.
Bei mir ist es eine Mischung aus ersterem und drittem. In Deutschland kann man das Müllproblem gut verdrängen, denn Deutschland ist sauber. Peru nicht und ich muss mich manchmal so sehr zusammenreißen um die Menschen hier nicht ein bisschen für das zu hassen was sie ihrer wunderschönen Naturvielfalt antun. Du fährst im schönsten Sonnenuntergang durch eine atemberaubende Schlucht und dein Sitznachbar (ein Lehrer) macht das Fenster auf und schmeißt seine leere Plasteflasche zum Fenster raus. Oder dein Gastvater, der wenn er nach Cusco fährt erst einmal eine viertel Stunde den Motor laufen lässt bevor er einsteigt und das Auto auch wirklich benutzt.
Solche Dinge machen mich richtig traurig und eben auch sauer und man fühlt sich dann immer so hilflos, aber das ist man nicht.
Wir wollten also ein Müllprojekt machen und das haben wir sehr erfolgreich, wie ich finde angefangen. Der erste Schritt war ein Gespräch zwischen mir und der Umweltbeauftragten der Municipaldad. Von da an nahmen die Dinge erstaunlich schnell und unkompliziert ihren Lauf, es war ein bisschen so als ob alle etwas unternehmen wollten und nur auf einen Wind gewartet haben der den Stein nun endlich mal ins rollen bringt.
Es gab dann also noch eine Versammlung mit dem Schulleiter, der Umweltfrau der Muni (Municipalida), einer engagierten Biolehrerin und mir.
Danach stand die erste Etappe unserer Projektes fest Johanna hat eine ziemlich genial Power Point zum Thema Müll gemacht und in der Woche darauf sind immer zwei Freiwillige in alle Klassen der Gesamtschule gegangen und haben die Charlas gehalten. Charlas sind Aufklärungsgespräche jeder Art heißt also ein Vortraghaltender (in dem Fall wir und die Frau von der Muni) informiert die Kinder über wichtige Themen und Zusammenhänge (in diesem Fall die Umweltverschmutzung  und ihre unglaublichen Ausmaße, sowie das Thema Wasser sparen, was die Muni vorbereitet hatte)
Auserdem gab es ein großartiges und sehr beeindruckendes Quizz (was auch Johanna vorbereitet hatte, ich find schon dass das eine wahre Meisterleistung deinerseits war) und wir haben in von den Schülern mitgebrachten Plasteflaschen Löcher geschnitten, weil wir die nach den Ferien bepflanzen und so einen hängenden Garten gestalten wollen.
Das war der erste Streich und der zweite folgte sogleich…
Aufklären und informieren sind ohne Zweifel der Schlüssel zu langfristiger Änderung aber immer nur reden ist eben keine Lösung.
Also wollten wir mit den Kindern den Müll in Oropesa auch aufsammeln, was ein doch schon etwas größerer organisatorischer Aufwand war. Zum Glück hatten wir die Municipalidad quasi sofort auf unsere Seite, am sonntag Morgen um 7.00 Uhr sollte es los gehen. Der Müllwagen würde uns die ganze Zeit begleiten und die Müllaufsammler Oropesas würden sich ebenfalls beteiligen außerdem stimmte die Muni nach einigen Gesprächen zu die Kosten für Müllsäcke, Handschuhe und Mundschutz zu übernehmen.
Jetzt mussten wir nur och die Schüler motiviern, was natürlich gar nicht so einfach war. Also haben wir uns einer ganzer Reiher diabolischer und perfieder Taktiken überlegt um die Kinder in unsere Fänge zu locken. Der Grundgedanke aller dieser Taktiken lässt sich der schnell und gut zusammenfassen: BESTECHUNG!!!
Allen den Kindern, die mitmachtet winkte die Verlosung eines Monopolyspieles der Peru-Edition, die Verbesserung ihrer Bionote und gratis Kuchen, Wackelpudding und Softgetränke.
Diesen Teil stellten wir Freiwilligen bereit. Meine Mitfreiwillige und gleichzeitig auch Mitbewohnerin und ich backten also den ganzen Samstag lang Kuchen, 12 Stück sollten es werden 11 sind es geworden, weil wir einen leider auf tragische Weise beim rauslösen aus der Form verloren haben. Den konnte man beim besten Willen niemandem  mehr anbieten, aber essen konnte man ihn schon noch…
Unsere Gastfamilie hat keinen Mixer oder sowas sondern nur einen großen Holzlöffel, mit dem man sehr lange und sehr kräftig rühren muss, damit der Teig eine schöne gleichmäßige Masse wird. Ihr könnt das gerne zu Hause mal ausprobieren für 6 große Schüsseln Teig. Bei der ersten werdet ihr denken: ja das ist jetzt wie Sport, bei der zweite: hmmm noch 4 Mal das geht schon, bei der dritten: ja scheiße… und bei der sechsten denkt man einfach nur noch: lass es aufhören…
Meine rechte Hand ist jetzt jedenfalls abgehärtet wie es meine Gastmutter so beschönigend ausgedrückt hat, böse Zungen könnten auch sagen, dass ich jetzt ein paar Schwielen und verhärtete Stellen mehr hat.
250 Kinder hatten sich eingeschrieben, eine Anzahl die mir organisatorische Bauchschmerzen bereitete und von der wir gleichzeitig wussten, dass sie nicht stimmte. Auf Peruaner kann man sich nicht immer verlassen und auf pubertierende Kinder kann man sich nicht immer verlassen…
Minus und Minus ergibt eben nur in Mathe Plus in der Realitt eines sonntag Morgens ergibt es, dass um 7.00 Uhr genau ein peruanisches pubertierendes Kind am vereinbarten Treffpunkt war.
Tja, war ich verzweifelt nein…, war ich enttäuscht nein… ich machte im Kopf zunächst einmal einen Plan, was wir gutes mit 11 Kuchen und 250 Wackelpuddings anstellen könnten (die Muni hatte uns „gezwungen“ so viel Verpflegung beriet zu stellen). Wir hätten 3 Kuchen dem Hospitz geschenkt und den Rest verkauft und als Spende für das Baumhaus-Projekt genommen.
Ein eigentlich schöner und sinnvoller Plan B, der nie in die Tat umgesetz wurde.
7.30 Uhr und somit nur eine halbe Stunde zu spät waren 50 Kinder da und wir konten die Aktion doch noch wie geplant in die Tat umsetzten. Es waren unglaublich viele volle Müllsäcke und unglaublich heiß und unglaublich wenig sichtbare Verbesserung…
Aber darum ging es nicht, es ging drum den Kindern das ganze Ausmaß und die Konsequez für ihr Verhalten zu verdeutlichen und das ist glaube ich geglückt.
Mir ist klar geworden, dass es noch ein unglaublich langer Weg aus der weltweiten Müllkrise heraus ist und das man  manchmal wortwörtlich das Gefühl hat in all dem Müll zu ertrinken.
Aber mir ist auch klar geworden, dass wir es schaffen können und das Veränderung, so klein sie auch seien mag ein Schritt in die richtige Richtung ist und oft schneller zu erreichen ist, als man denkt.
Jeder kann was bewegen, dass kann ich jetzt mit Gewissheit sagen und daher fühlt auch ihr euch jetzt bitte angesprochen. Unternehmt was, pflanzt einen Baum oder recycelt mehr, sammelt mit Schulklassen Müll auf!!!
Es ist nicht nur unserer Entscheidung etwas zu unternehmen sondern auch unsere Pflicht!!!

Liebe Grüße aus Peru
Eure Sue

PS: und bitte pfeift jeden zusammen,d er i Deutschland Müll au die Straße wirft, wir sind nämlich aufgeklärt und haben echt keien Entschuldigung dafür so etwas zu tun!!!



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