Donnerstag, 1. Oktober 2015

Der Appetit kommt beim essen

Es gibt zwei elementare Fragen, die jeder zu haben scheint, wenn es um Urlaub oder Auslandsaufenthalte geht:
Wie ist das Wetter?
Wie ist das Essen?
Weil ich dieses Urbedürfnis „der Deutschen“ übers Wetter zu reden echt nicht nachvollziehen und teilen kann, müsst ihr auf den Wetterbericht noch etwas warten, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben…
Es soll jetzt also mal um das Essen hier gehen. Ich liebe essen und ich liebe kochen und ich liebe naschen, das hier ist also nur ein kleiner Einblick in das Thema, denn dazu werde ich sicherlich noch mehr Sachen schreiben…
Also die peruanische Küche zählt allgemein zu den besten Südamerikas und bei Insidern auch zu den besten der Welt, es lohnt sich also da mal genauer hinzuschauen.

Peruaner essen gerne und Peruaner kochen gerne, beides tun sie mit der notwendigen Ruhe und Bedächtigkeit, soll heißen es dauert alles etwas länger. In Peru ist es üblich drei mal am Tag warm zu essen und zwar deftig (so würden wir es bei uns nennen), dass bedeutet das es zum Frühstück z.Bsp Pellkartoffeln mit Avocado und Zwiebeln gibt und dazu frische Bananenmilch oder so eine Bohnenmilch (heiße Milch mit Bohnenmehl angedickt), was ich persönlich alles ziemlich lecker finde. Außerdem ist es nicht üblich ein vollständiges Gedeck zu haben, in der Regel wird nur mit einem Besteckteil gegessen, also zum Beispiel nur mit Löffel oder nur mit Gabel, was anderes gibt es dann auch gar nicht und man nimmt generell viel die Finger zu Hilfe, das ist auch in Restaurants so. Was auch auffällig und für mich echt ein bisschen schwierig zum „dran gewöhnen“ ist, ist die Tatsache, dass die Peruaner (oder zumindest meine Gastfamilie) nicht unbedingt zusammen essen. Manchmal schon, dann essen wir gemeinsam Abendessen aber generell ist es einfach üblich zu essen, wenn man grade Zeit hat, was bedeutet, dass ich ziemlich oft alleine esse und ich muss sagen, es schmeckt dann echt weniger gut.
Ansonsten ist die peruanische Küche echt super, nur die Portionen sind ein bisschen arg groß, eine Mahlzeit ist gefühlt das Doppelte, von dem was ich sonst am ganzen Tag esse und manchmal fühlt man sich schon wie bei „Hänsel und Gretel“, also so als ob man gemästet wird, allerdings ohne den kannibalischen Teil. Was diesen Eindruck noch unterstützt ist, dass die Peruaner echt viel Zucker benutzen. Tee wird hier so stark gesüßt, dass es eigentlich nur noch Zuckerwasser ist, da könnte man prima den Zuckertütenbaum mit gießen…ich versuche jetzt immer zu verhindern, dass mein Tee auch gesüßt wird, oder wahlweise Pachamama besonders viel zu opfern.
Wer ist Pachamama, werdet ihr euch jetzt fragen, oder ihr wisst es schon…
Pachamama ist Mutter Erde und eines der vielen Überbleibsel der Inkakultur, und Pachamama opfert man z. Bsp bei Feiern oder Restaurantbesuchen immer ein bisschen was zu trinken (meistens alkoholisch), opfern bedeutet, dass man einfach ein bisschen von seine Getränk auf den Boden schüttet und manchmal gar nicht und manchmal so was wie „Danke, Patchamama“ sagt, damit wird Mutter Erde gewürdigt und ihr gedankt. Was ich schon irgendwie zwiespältig finde, weil man Pachamama ja anscheinend auch allen möglichen Müll opfert und sie, das glaube ich nicht so toll findet. (aber zum Thema Müll schreibe ich später noch mal was).
Zurück zu appetitlicheren Themen, nämlich Picarones!
Picarones sind süße Teigringe, die man frittiert hat und mit so einer Art Honig-Sirup isst und sie sind so lecker, dass es einem die Sprache verschlägt. In Cusco gibt es eine Frau (gut es gibt bestimmt viele Frauen, aber die sind jetzt egal), die Picarones verkauft und zu der gehen wir jetzt immer, weil sie auch immer noch so ein feuchtes Tuch hat, mit dem man sich, wenn die Picarones viel zu schnell aufgegessen sind, den klebrigen Mund und die Hände abwischen kann und sie fässt das Geld nicht mit den Händen an, sondern nimmt immer eine Plastiktüte. Wir sind alle große Fans von ihr und vor allem von ihren Picarones.
Jetzt kommt für alle die gute Nachricht, ich habe hier in Ccapi erzählt, dass ich Picarones liebe und nächste Woche, oder weil wir ja in Peru sind übernächste Woche werde ich mich mit ein paar Leuten treffen und wir machen Picarones… und wen ich in 11 Monaten (denn der erste Monat ist ja schon rum) wiederkomme, dann werde ich für euch alle Picarones machen, hoffentlich werden die wenigstens halb so gut, wie die hier…
Auch wenn die Portionen hier riesig sind und ich einmal auch schon 3 Mal am Tag Mittagessen musste, weil man ständig irgendwo eingeladen wird, so ist das Essen hier zu 90% echt lecker und wenn man dann schon völlig überfüllt, die 2. Portion vorgesetzt bekommt, dann kann man einfach nur froh sein, dass es hier gut schmeckt und der Appetit beim essen kommt und plötzlich hat man dann auch die 2. Portion aufgegessen und weiß gar nicht wo die so schnell hin verschwunden ist, mein Körper weiß es allerdings ziemlich genau und deswegen muss ich unbedingt anfangen Volleyball zu spielen und mehr wandern zu gehen…

Liebe Grüße aus Peru
Eure Sue



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