Sonntag, 25. Oktober 2015

Cusco


Wer mich kennt, weiß das ich bei Worten wie Patriotismus und Nationalstolz zusammenzucke, ich werde niemals verstehen, wie Leute ein ganzes Land lieben können nur weil sie zufällig dort geboren wurden oder dort aufgewachsen sind. Um es mit den Worten von Rainald Grebe zu sagen: „Herkunft ist keine Leistung!“.
Aber auch ich muss gestehen so etwas wie Lokal- oder Stadt-Patriotismus zu empfinden, was ich anfangs bedenklich fand und entwischen als doch eher unbedenklich eingestuft habe.
Es gibt einfach Orte auf dieser Welt, in die habe ich mich quasi verliebt, um es jetzt mal ganz drastisch auszudrücken. Orte und Städte, die mich bewegt haben und die ich nie vergessen werde, Orte an die ich jeder Zeit sofort zurückkehren würde und die ich immer verteidigen würde, wenn irgendjemand sie kritisieren würde.
Es gibt nicht viele dieser Orte, momentan fallen mir 3 ein, aber wenn ich länger drüber nachdenken würde, dann würden es mehr werden.
1. Ungeschlagener Platz eins (höchst wahrscheinlich für immer) ist eine Insel in West-Kanada.
2. Dinan, ein Künstlerstädchen, in der Bretagen Frankreichs, in der ich 5 Monate gelebt habe.
3. Cusco, die Inkahauptstadt mit dem Werbeslogan „Ciudad de todos“ (Die Stadt aller)

Über jeden dieser Orte könnte ich hunderte Posts schreiben, aber wie ihr euch denken könnt widme ich diesen Post Platz 3 Cusco (ich weiß die Überschrift lies es schon vermuten)

Ich bin noch nicht lange hier, aber ich liebe Cusco!
Wo fang ich an, es gibt so viel zu erzählen, zu berichten, zu beschreiben…
Ich liebe die vielen Menschen, wahrscheinlich bin ich eben doch eher ein Stadtkind, obwohl ich immer nur auf dem Dorf gelebt habe, die Menschenmengen aus aller Welt. Du könntest dich ohne Zweifel einen ganzen Tag auf den Plaza setzten und einfach nur die Menschen beobachten, es wäre wie eine Welt-und Zeitreise. Die typischen peruanischen Frauen mit ihren Mantas (diese bunten Decken) auf dem Rücken, in traditioneller Kleidung, neben der modernen Generation, junge Frauen in viel zu engen und kurzen Kleidern, da würde die katholische Kirche in Deutschland, vor Entsetzen erstarren, in Peru oder eben in Cusco ist das wesentlich lockerer.
Neben den Peruanern junge Menschen aus aller Welt, die keine Lust auf All-Inklusiv-Urlaub (ein Wort, bei dem sich mir die Fußnägel hochrollen und mir ein kalter Schauer des Entsetzen über den Rücken läuft) haben und etwas ganz anderes sehen wollen. Es mag Stimmen geben, die diesen westlichen Einfluss kritisieren, und obwohl es einen Starbucks und einen McDonalds gibt ist Cusco noch weit weg davon zu „verwestlichen“!
Cusco ist wirklich die Stadt aller, Arm und Reich, Touristen und Einheimische, Hunden und Alpakas.
In Cusco ist alles vergleichsweise groß, besonders was die Märkte angeht, es gibt überall in der Stadt verteil Märkte, wenn man einmal herausgefunden hat welcher was verkauft und welche der unzähligen Buslinien man nehmen muss um dahin zu kommen, dann kann man einfach alles kaufen oder einfach nur mit offenem Mund dastehen und staunen. Plötzlich ist man umgeben von unzähligen Gladiolen und Lilien oder Mais in allen Farben und Größen oder Früchten aller Art…
Oder man schlendert einfach durch die Straßen, wo sich kleine Geschäfte aneinander reihen und Frauen auf der Straße sitzen und verkaufen und abends ihre Garküchen aufstellen und unglaublich leckeres Essen für unglaublich wenig Geld verkaufen, dafür pokert man auch immer mit dem Risiko sich eine Lebensmittelvergiftung einzufangen oder Typhus (das hatten schon 2 von und, ist aber alles wieder gut, es gibt hier ein super Krankenhaus!), beides ist mir noch nicht passiert und es würde mich auch nicht abhalten, es gibt nämlich noch ziemlich viel was ich noch nicht gekostet habe. Inzwischen habe ich schon so meine Rituale, ich gehe regelmäßig zu dem Saftstand, an dem ich meinen 2. Saft in Peru getrunken habe und probiere immer eine neue Mischung (übrigens für umgerechnet ungefähr 1,70 bekommt man hier gefühlt 1 Liter frischen Fruchtsaft) und dann gehe ich in eine der Bäckereien und probiere irgendeine Backware, die ich noch nicht kenne, was inzwischen zunehmend schwieriger wird.
Aber das beste an Cusco sind die Menschen, eigentlich ist das gar nicht Cusco spezifisch, überall sonst habe ich auch nur nette Menschen kennengelernt, aber es ist trotzdem schön!
Neulich musste ich nachts Taxi fahren, eine Mischung aus zwei Dingen die ich unglaublich gruselig finde: 1. Nachts alleine unterwegs sein und 2. Taxifahren, ich meine man steigt zu einem wildfremden Mann ins Auto ein, als Kind habe ich immer gelernt, das nicht zu machen auch wenn er „Hundebabys“ zu Hause hat und jetzt bezahle ich sogar dafür… ich versuche beides grundsätzlich (auch in Deutschland) zu vermeiden, aber das geht nicht immer.
In diesem Fall bin ich echt dankbar, ich hatte nur noch 6 Soles in Kleingeld und einen 100 Soles-Schein (der echt wertlos ist, weil NIE jemand wechseln kann), die Strecke von 20 Minuten kostet eigentlich 10 Soles und für Gringas auch mal gerne 15 Soles, der Taxifahrer den ich anhielt nahm mich aus Mitleid auch für 6 Soles mit. Wir kamen ins Gespräch, er hat mir die Hand gegeben und sich vorgestellt und mir dann sogar noch Fotos auf seinem Handy gezeigt von Machu Pichu und anderen Sehenswürdigkeiten, die ich unbedingt noch sehen muss (ach so, dafür hat er übrigens angehalten). Er war einfach wirklich nett und hat mich bis vor die Tür gebracht und gewartet bis ich drin war, bevor er weg gefahren ist, damit mir nichts passiert. Ich werde trotzdem weiterhin versuchen kein Taxi zu fahren, denn obwohl ich glaube dass 99,9 % der Taxifahrer nette Menschen sind, muss man sein Glück oder Schicksal ja nicht herausfordern. Aber einfach, dass so was passiert und das ist nur ein Beispiel von vielen, dass man sich so freundlich mit fremden Menschen unterhalten kann, ist einfach nur schön und ich weiß jetzt schon, dass ich das in einem Jahr in Deutschland vermissen werde. Genau wie der Schuhmacher, der mir meinen Schuh innerhalb von 10 Minuten für nicht mal einen Euro geklebt hat und…
Ihr merkt schon jetzt könnte es ewig so weiter gehen und das wird es auch, aber ein andermal…

Liebe Grüße aus Peru
Eure Sue

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