Donnerstag, 24. September 2015

Ziemlich gute Tage

Zwei Mal (und diesen Monat zweimal hintereinander) im Monat fahren mein Mitfreiwilliger und ich am Wochenende nach Cusco. Die Gründe dafür sind zahlreich: endlich wieder Internet (das gibt es hier nämlich doch nur sporadisch…), endlich wieder Stadt-Anonymität (denn hier auf dem Dorf weiß einfach JEDER wer ich bin und was ich mache) und endlich wieder vertraute Gesichter!
Wie ich ja schon mal erwähnt habe lebe ich, wenn ich für zwei Nächte (mehr ist es nämlich nicht...leider) in der „großen Stadt“ bin in Oropesa, einem Vorort Cuscos, bei der Gastfamilie meiner Zwillingsschwester.
Wie ihr euch sicherlich denken könnt, sind diese zwei Tage schon allein deshalb schön, weil ich Johanna nach „unendlich“ langen 4 Tagen endlich wiedergesehen habe, aber auch weil man echt immer was erlebt. Auch wenn das hier sonst kein Tagebuch ist, will ich diesmal vom letzten Wochenende erzählen, weil es einfach wirklich schön und auch für den Leser sicherlich nicht ganz unspannend war!
Nach 4 Stunden Schotterpiste, Staub und mittel-schlechten peruanischen Schlagern, kamen wir wohlbehalten in Cusco an, wo mich Johannas Gastfamilie abgeholt hat. Anschließend sind wir sofort zur Secundaria von Johannas Gastschwester gefahren, das hatte nämlich Jahrestag und Jahrestage werden natürlich gefeiert! Feiern meint in diesem Fall, dass jede Klasse traditionelle Tänze vorbereitet hatte, außerdem gab es selbstgeschriebene Lobes-Gedichte zu Ehren der Schule. Die Tänze waren einfach großartig, in traditionellen Kostümen zu traditioneller eher schrillen Musik (Johanna meinte davon bekommt sie Zahnschmerzen) haben die Klassen Gruppentänze aufgeführt. Tja, und jetzt fehlen mir wiedermal die Worte, um zu beschreiben wie beeindruckend das war, hier kann einfach jeder tanzen und das haben sie dann auch gemacht. Es war alles dabei von Schreittanz über Sprungtanz, Kampftanz bis hin zu einem atemberaubenden Paartanz! Die Schüler haben Kampfszenen und Entführungen tänzerisch dargestellt, sind auf dem Boden rumgerollt und haben sich in der Luft gedreht, haben Menschenpyramiden aufgebaut und wieder einstürzen lassen, haben sich „angegriffen“ und ganz intim miteinander getanzt (bei dem Paartanz). Ich hatte so was noch nie gesehen und der Gedanke, dass dies alles Schüler zwischen 12-18 Jahren sind war einfach unwirklich, wirkten sie doch eher wie Professionelle! Ein fulminanter Abschluss eines sonst eher unspektakulären Tages!
Der Samstag war nicht weiter erwähnenswert, weil wir gearbeitet und mit den Lieben daheim telefoniert haben, für mich wahnsinnig wichtig und schön, aber für den Leser jetzt nicht weiter relevant…
Also schnell mal vorspulen zum Sonntag. Sonntags waren wir diesmal nicht in der Messe, Johanna&Ich haben stattdessen zusammen mit einer anderen Freiwilligen Oropesa ein wenig erkundet. Oropesa ist die Stadt des Brotes, jedes zweite Haus ist eine Bäckerrei und überall in Peru ist das berühmte Brot aus Oropesa hoch beliebt, es ist auch wirklich lecker (Schwarzbrot gibt es aber auch hier nicht)! Ich hab viele Fotos gemacht, die ihr teilweise auch auf der Seite „Fotos“ sehen könnt.
Zum Mittagessen sind wir ins Nachbardorf Lucre (wo auch Freiwillige von uns leben und arbeiten) gefahren und jetzt alle, die sich immer viele Sorgen machen, mal die nächsten 6 Zeilen überspringen!
Johannas Gasteltern haben so einen Pick-Up, mit Ladefläche und weil wir uns da sonst immer zu 8 in den Fahrgastraum quätschen, sind Johanna&Ich diesmal hintendrauf mitgefahren. Es war so geil, auf der Ladefläche zu stehen, da bekommt Fahrtwind und Freiheit nochmal eine neue Dimension.
Es war einfach eine Mischung aus gefährlich, abenteuerlich und einzigartig und ja wir haben auch ganz klischeehaft unsere Arme (kurz, sonst haben wir uns gut festgehalten) ausgestreckt und irgendwas geschrien, ganz oder gar nicht halt!
Dann haben wir noch kurz am Straßenrand angehalten um die sagenumwobene Lagune von Lucre zu besichtigen. Lagune meint in dem Fall so ein sumpfähnliches Feuchtgebiet, das vielleicht vor wenigen Jahren noch das Herz aller Vogel-und Naturfreunde hätte höher schlagen lassen… Jetzt ist es einfach nur noch von weitem schön, wenn man vorbeifährt und den Müll, die stinkenden Pfützen und die jämmerlich verreckten (entschuldigt die Wortwahl, aber so ist es einfach) Vögel und Kleintier nicht sieht. Wenn man sich den Müll wegdenkt und sich Zeit nimmt, dann ist die einstige Schönheit diese Ortes immer noch da, aber sie schwindet… nicht schwinden tut aber meine Hoffnung, dass die Regierung, die Bevölkerung oder vielleicht sogar wir etwas unternehmen werden um diesen Ort für die Nachwelt zu erhalten!
Ich kann einiges ab was Dreck, Müll und Körperausscheidungen angeht und deshalb hat mir das Eis, was wir anschließend gegessen haben, trotzdem gut geschmeckt. Ok, zugegebenermaßen dieses Eis hätte jedem gut geschmeckt. Jeden Sonntag kommt so ein kleiner Wagen, einer richtig guten cuscenischen Konditorei, nach Lucre an den Straßenrand und verkauft dort unglaubliche Cupcackes und leckeres und riesiges selbstgemachtes Eis. Ich hatte Chirimoya-Eis (bei uns wird diese Frucht auch Samtapfel genannt und die kann man manchmal in Deutschland kaufen), weil ich diese Frucht einfach liebe, probiert sie doch auch mal… und Johanna hatte Mango-Eis, sie mag Chirimoya nämlich nicht so gerne, beide waren super lecker!!!
Tja, und weil Zeit die unangenehme Gewohnheit hat besonders schnell zu rennen, wenn man richtig glücklich und mit tollen Menschen zusammen ist (ein Phänomen, das über alle Ländergrenzen hinweg gültig ist), war plötzlich schon wieder der Zeitpunkt des Abschiedes gekommen…
Vor uns lag eine 5-stündige, holprige Busfahrt und hinter uns ein hoffentlich unvergessliches Wochenende und ein nicht ganz tränen-freier Abschied!
Jetzt gilt es die nächste Hürde zu meistern und das erste Mal 11 Tage ohne Johanna zu meistern, dass wird doch wohl zu schaffen seien… oder?

Liebe Grüße aus Peru

Eure Sue

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