Donnerstag, 10. September 2015

Sonnencremflecken....

Ich bin angekommen und gleichzeitig fühle ich mich teilweise so fehl am Platz wie selten!
Aber eins nach dem anderen:
Drei Tage ist es her, dass ich in einem viel zu kleinen Pick-Up meine Reise nach Ccapi angetreten habe. Nach unendlich vielen Serpentinen und ewigen Gesprächen sind wir nach ungefähr 6 Stunden angekommen.
Eigentlich hieß es wir fahren um 5.00 Uhr morgens los. Ich bin also um 4.00 Uhr aufgestanden um meine letzte heiße Dusche im Hotel zu genießen, es gab aber kein Wasser an dem Tag oder um diese Uhrzeit, weshalb dieses kleine bisschen Luxus leider nur metaphorisch ins Wasser fallen musste! Außerdem kamen unsere Fahrer dann erst um 6.00 Uhr morgens, weshalb der Tag genauso holprig losging wie es auf der Schotterpiste in meine neue Heimat fortgeführt wurde.
Nun bin ich also hier mehr oder weniger allein, weil mein Mitfreiwilliger ein ganzes Stück außerhalb des Dorfes lebt, wo sich auch die Sekundaria (Gesamtschule für die Klassen 7-11) befindet.
Gleichzeitig habe ich eine super liebe Gastfamilie, die mich wirklich sehr lieb aufnimmt und mir auch noch schnell ein Bett gebaut hat. Als ich ankam gabs nämlich keins, was ein kleines Problem war, welches zum Glück noch am selben Abend gelöst wurde!

Hier ist einfach alles anders, nicht ist bekannt und nichts altbewährt und ja, ich gehörte auch zu den Menschen, die unbedingt aus ihrem Alltag ausbrechen wollten. Ich wusste und wollte, dass der Anfang nicht leicht wird und habe das Jahr nicht zu Letzt gemacht, damit alles Neu ist und trotzdem erwarte ich nicht sehnlicher, als den Tag an dem alle das Neue nicht mehr neu sondern Alltag ist.
Der Tag an dem ich aufstehe und nicht vergesse Klopapier einzupacken, weil es das hier auf öffentlichen Toiletten nie gibt. Der Tag an dem ich es normal finde auf ein Plumsklo (ein Loch im Boden, aber immerhin gefliest) zu gehen und fremde und eigene Hinterlassenschaften mit einem Eimer Wasser herunterzuspülen. Der Tag an dem ich mich daran gewöhnt habe nicht richtig zu duschen, sondern mich nur mit Hilfe der Brause, die direkt über dem Plumsklo ist und dem ARSCHKALTEM Wasser zu waschen… und ich glaube bis das letzte eintrifft wird es noch sehr lange dauern.
Man merkt also es ist nicht ganz einfach im Moment, was auch daran liegt dass das Internet momentan nicht geht und ich nicht weiß ob und wann es wieder funktionieren wird…
Trotz alle dem gibt es auch jetzt schon geniale Momente, von denen ich bald erzählen werde, aber Heimweh fragt nun mal nicht wie nett die Menschen sind und wie schön die Landschaft, Heimweh ist einfach da und zieht dich runter und das einzige was hilft, wenn das Internet versagt und man seine Lieben nicht erreichen kann, ist harte körperliche Arbeit.
Also hab ich gestern Wäsche gewaschen, auch weil ich nur noch Unterwäsche für zwei Tage und eine richtig dreckige Hose hatte.
Also zu erst habe ich eine Wanne mit Wasser gefüllt und viel zu viel Wasser reingemacht, so dass ich mir beim Transport selbiger Wanne mindestens 5 Liter Wassser übergekippt habe und klitsch nass war. Dann hab ich ein Stück Seife von meiner Gastmama bekommen und los gings!!! Nun, ich hab in meinem Leben schon richtig dreckige Sachen mit der Hand vorgewaschen, aber noch nie richtig gewaschen… Learning bei Doing, also!
Ich fand mich auch voll gut, ich habe ordentlich geschrubbt (ohne Bürste, hab nämlich keine) und dann auch doll ausgewrungen, so dass die Wäsche schneller trocknet.
Mein persönlicher Erfolg war eine Hose, die ich auf unerklärliche Weise mit Sonnencreme (jedenfalls hoffe ich, dass es Sonnencreme war) eingesaut hatte, Sonnencreme macht hartnäckige Flecken und man muss sich ganz schön ins Zeug legen um die weg zu bekommen. Ich war also echt stolz und die Sachen hangen auf der Leine zum trocknen, als meine Gastmutter kam und irgendwas meint…. Ich hab sie nicht verstanden, aber sie wirkte irgendwie besorgt und hat mit was erklärt, stellte sich heraus, dass man die Sachen natürlich noch in klarem Wasser ausspülen muss, weil das Seifenwasser beim Trocknen weiße Flecken hinterlässt… hätte ich mir echt auch selber denken können… und meine Gastmama hat glaub ich gedacht, ich wäre vom Mond. Dabei komme ich nur aus diesem ominösen Land, wo es Waschmaschinen gibt. Sie war aber voll lieb und nach dem ich alle Sachen nochmal ausgewaschen, ausgewrungen und aufgehangen hatte gab es ein voll leckeres Essen!
Liebe Grüße aus Peru
Eure Sue...

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