Mittwoch, 16. September 2015

Hasta la seize de la mañana

Diesen Montag war keine Schule, der Grund war der Jahrestag der Posta.
Was ist die Posta, wird sich der ein oder andere jetzt fragen….
Nein, es ist nicht die Post, sondern die Krankenstation im Ort. Die hatte also Jahrestag und das Fest dazu ging um 13:00 Uhr los, trotzdem war den ganzen Tag über keine Schule….
Ich bin da also 13:00 Uhr auf dem Plaza aufgeschlagen (alles Südamerikanischen Städte, egal wie klein und unbedeutend haben einen Hauptplatz in der „Mitte“ des Dorfes, Ccapi also auch), weil da halt irgendwas los gehen sollte…. Ging es dann auch und zwar -eine Messe, da meine letzte Messe ja noch nicht all zulange zurücklag, war ich anfänglich nicht so begeistert…
Diese Messe war aber mal viel cooler als die andere, zunächst einmal wird die Kirche gerade gebaut, weshalb wir in so einer Art Gemeinderaum waren, was heißt, dass man nicht knien musste, was mich schon mal erleichtert hat, denn dann kann man weniger falsch machen! Außerdem wurde richtig viel gesungen und richtige Opfergaben (Brot, Wein, Kerzen, Blumen) gebracht und gebetet wurde natürlich auch. Was mir auch schon in der Messe in Oropesa aufgefallen war, hat sich hier wiederholt, nämlich dass der Pfarrer/Priester (oh, man ich weiß nicht wer was ist sorry…) seine Gemeinde richtig abgefragt hat. „Wo steht das und welcher Apostel hat das gesagt?“.
Was allerdings ganz anders war, war die Musik, denn der Pfarrer/Priester kann einfach mal richtig gut Gitarre spielen und richtig, richtig gut singen und das hat er dann auch gemacht, aber mit so einer Freunde und Inbrunst, dass man einfach mitsingen musste… es kam fast ein bisschen Lagerfeuerstimmung auf und das meine ich absolut positiv! Ich kann mir sogar vorstellen jeden zweiten Sonntag (wenn ich nicht in Cusco bin) seine Messe zu besuchen, denn ehrlich dieser Mann kann's einfach.
Anschließend gab es für jeden so ein traditionelles Gericht mit Cuy (Meerschwein) irgendwas richtig Scharfem (von dem ich aus Unvorsicht ein großes Stück abgebissen habe) und noch hundert anderen Sachen, die Leute haben sich das auch alle einpacken lassen oder eben den ganzen Abend dran gegessen.
Dann ging die Fiesta los und ja ich bin Party unerfahren, aber mit Sicherheit war das ganz anders als in Deutschland. Ersteinmal war die Musik schon ziemlich cool, so eine Mischung aus Traditionellem und 08-15 spanischem Pop und das eine Lied kam gefühlt 100 mal, nämlich „Hasta la seize de la mañan“, was mich nicht gestört hat, denn mir hat es gefallen.  Die Leute standen also alle im Kreis und haben getanzt und hier kann einfach jeder tanzen außer die Gringa (das Wort für westliche Weiße, also mich…) ich hab es aber trotzdem versucht und so auf jeden Fall Anerkennungspunkte gesammelt.
Dann wurden plötzlich aus ungeklärten Gründen Pfeifen, bunte Stoffpartyhüte, Klappern und lange Luftballons (die aus denen man sonst Tiere macht, wenn man's kann) ausgeteilt. Tiere hat aber keiner daraus gemacht. Die Luftballons wurden einfach die ganze Zeit in der Hand gehalten und dienten als Luftgitarre, Hexenbesen oder Schwert und zu diesem Zeitpunkt standen die Leute noch nicht dolle unter Alkoholeinfluss. Es war einfach nur richtig witzig und ungezwungen, sobald man die Fremdschämschwelle überwunden hatte (wofür ich ungefähr 2 Minuten gebraucht habe).
Dieser Abend war aber auch so richtig gut, weil ich mich mit vielen relativ wichtigen Leuten im Ort unterhalten konnte, nämlich immer dann, wenn der Strom und somit auch die echt laute Musik weg war.
Da jetzt die Regenzeit anfängt und es auch geregnet hat, passiert es wohl öfter, dass es keinen Strom und Mobilfunknetz gibt, dauert aber maximal 2 Tage, wurde mir gesagt.
Ich hab mich also unterhalten und zwar mit den Krankenschwestern, dem einen Arzt (von zweien, die es hier gibt), Oscar- dem nettesten Englischlehrer der Welt, zwei Polizisten und noch zahlreichen anderen Leuten, deren Namen und Beruf ich aber nicht verstanden oder mir nicht gemerkt habe…
Irgendwie kam da so ein bisschen das Gefühl von Schiksaalsgemeinschaft auf, denn all diese Leute (Ärzte, Krankenschwestern, Polizisten und auch viele Lehrer) sind genau wie ich von ihrer Familie getrennt und genau wie ich haben die meisten nur einen Vertrag, der sie genau 1 Jahr in Ccapi hält.
Leider hat ihr Jahresvertrag nicht im September angefangen (so wie meiner) sondern im letzten Mai, Dezember oder Oktober, sodass ich mich schon bald von vielen richtig lieben Menschen verabschieden muss… Es ist ein Kommen und Gehen in Ccapi.
Viele von ihnen können es kaum erwarten wieder woanders zu arbeiten und beschweren sich über Ccapi: zu klein, zu ruhig, zu einsam, zu weit weg…
Ich denke vielen fällt es genauso schwer wie mir, an manchen Tagen oder auch nur in manchen Stunden, zu bemerken, dass Ccapi durchaus ein Ort zum glücklich seien ist und das Ccapi schneller, als man denkt keine Strafe, sondern eigentlich ein Segen und schon bald mehr als nur: „Das Dorf in dem ich 365 Tage arbeiten muss!“ ist…

Liebe Grüße aus Peru
Eure Sue

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