Samstag, 19. September 2015

Es war einmal eine Vegetarierin in Peru…

Der Grund warum ich vor 4 Jahren Vegetarierin geworden bin, war die Tierhaltung. Ich konnte es nicht ertragen eine Industrie zu unterstützen, die Lebewesen abschlachtet und quält, als wären es nur Steine ohne Gefühle und Emotionen. Damals hat mir Fleisch gut geschmeckt und ich hab mir langsam abgewöhnt es zu essen… Schon bald danach haben sich meine Gründe zwar nicht geändert aber erweitert. Fleisch hat angefangen eklig zu riechen und die Vorstellung ein Stück Fleisch zu essen hat mich angeekelt…
Nun bin ich also hier, in einem Land, in dem die Fleischproduktion doch deutlich anders ist…
Auch wenn es in Limas Umgebung sicherlich Schlachthöfe mit den selben Umständen, wie in Deutschland geben wird, so ist das hier auf dem Land doch eine ganz andere Sache!
Hier stehe ich morgens auf, füttere „unsere“ Schweine, Enten, Meerschweinchen und Hühner, die sind jeden Tag draußen an der frischen Luft, werden nicht mit Antibiotika vollgestopft und sind nicht überzüchtet.
Da legen meine Gasteltern auch richtig wert drauf, sie erzählen mir immer ganz stolz, dass ihr Salat, Fleisch, Ei total ökologisch ist -ungespritzt und unbehandelt und deshalb hunderttausend Mal besser, als die Sachen aus der Stadt!
Wer mich näher kennt weiß, dass ich nicht besonders viel Wert auf ungespritz und unbehandelt lege, ehrlich gesagt wäre es mir (aka. meinem Magen, Darm) manchmal lieber, die Sachen wären hier ein bisschen unökologischer…
Wir halten fest: in meiner jetzigen Lebenssituation leben die Tiere (später Fleisch genannt..) ganz anders, aber anders ist nicht unbedingt besser. Ja, sie kennen Tageslicht. Ja, sie werden nicht gemästet. Ja, sie haben Auslauf! Aber sie werden auch geschlagen, getreten, herumgezerrt und behandelt, als wären sie Steine! Schließlich und endlich sind auch sie nur geboren um zu sterben!
Der aufmerksame Leser kann sich jetzt schon denken, dass ich also auch hier nicht angefangen habe und nicht anfangen werde Fleisch zu essen.
Ich hab gedacht, ich kann es- einfach wieder Fleisch essen. Ich wollte dass, um die Kultur noch besser kennenzulernen, um nicht 1.000.000 Mal erklären zu müssen, was den nun genau ein Vegetarier ist (und nein, meine Haut ist nicht so hell, weil ich keine Meerschweinchen esse…).
Aber dann war ich hier und in Cusco am 2. Tag hatte ich das erste Mal seid 4 Jahren wieder ein Stück Rind vor mir (das nach Aussagen der anderen wohl auch: „Echt voll geil!“ war) und egal wie bescheuert dass klingt, aber ich konnte einfach NICHT. Ich kann es nicht beschreiben und verstehe auch selber nicht ganz warum, aber es geht und ging einfach nicht!!!
Ich bin nicht zimperlich, auf dem Markt finde ich die Schweineköpfe und Gedärme nicht eklig. Als meine Gastmutter neulich neben mir (keine 30 cm) ein ganzes Schaf, teilweise auch mit der Axt kleingehack hat (an dem hatten vorher auch schon Hund und Katz gefressen und dass meine ich wörtlich), fand ich das nicht schlimm. Oder als meine Gastmutter zwei Meerschweinchen aus dem kochenden Wasser gezogen hat und anschließend das Fell abgerupft hat, hat auch das mich nicht weiter gestört…
Trotzdem bin und bleibe ich also Vegetarierin und auch wenn man angeblich ja nie weiß ,was die Zukunft bringt, glaube ich inzwischen sagen zu können, dass ich wahrscheinlich ein Leben lang Vegetarierin bleiben werde.
Das Gute ist, dass auch meine Gastmutter, dass ganz gut akzeptiert hat (verstehen wird sie es wohl nie, aber das „Problem“ kenne ich ja schon aus Deutschland). Ich bekomme jetzt jedenfalls immer etwas ohne Fleisch und dann dafür z.Bsp eine Möhre mehr oder eine Avocado oder ein Ei.
Apropo Ei, neulich morgens gab es Saft, da war Banane, Orange, Apfel und Honig drin und ein rohes Ei. In Deutschland gibt es ja diese mega Sorge um Salmonellen: Eier immer im Kühlschrank, möglichst in einer Woche verbrauchen, immer extra aufschlagen und nochmal dran riechen…
Also in meiner Gastfamilie gibt es zur Zeit keinen Kühlschrank (ich glaub sie wollen einen anschaffen), klar stehen die Eier nicht in der prallen Sonne, aber kühl lagern die nicht, sondern halt neben der Kochstelle. Tja, und was soll ich sagen, auch wenn ich denke, dass diese eine rohe Ei den Geschmack des (wirklich leckeren) Saftes nicht so gesteigert hat wie meine Gastmutter es beschrieben hat, so hab ich wenigstens (bisher) keine Salmonellen bekommen und jetzt alle drei Mal auf Holz klopfen (dass machen die Leute hier nämlich auch), dass das auch so bleibt!


Liebe Grüße aus Peru
Eure Sue

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