Dienstag, 15. September 2015

Aleluya, Aleluya

Diese Wochenende habe ich mich also auf nach Oropesa gemacht, dem Dorf in dem meine Zwillingsschwester arbeitet und lebt. Dafür muss man erst einmal nach Cusco und zwar mit dem Bus… Bus meint in dem Fall so was wie ein 12-sitzigen Transporter, bei dem die einzige Klimaanlage ein offenes oder geschlossenes Fenster ist. Was ja nicht weißer schlimm wäre, wenn der Weg nach Cusco asphaltiert wäre, ist er aber nicht. Die Straße ist eine ziemlich breite und auch durchaus sichere Schotterpiste, die eben ganz schön viel Staub produziert und nur in Serpentinen verläuft (die längste Strecke ohne Kurve ist gefühlt 50 m, wenn man in so einem Tal den Fluss überqueren muss…). Man hat also die Wahl zwischen heiß und stickig und kühl und staubig…
Alles in allem war die Fahrt aber nicht schlimm und hat nur knappe 4 Stunden gedauert, im Gegensatz zur Rückfahrt, die über 6 Stunden gedauert hat…
So bin ich dann also in Cusco und noch eine Stunde später in Oropesa angekommen. Wo ich sofort super herzlich von Johannas Gastfamilie aufgenommen wurde.
An dieser Stelle eine Einführung in peruanische Logik: Johanna ist ja ihre neue Tochter und ich bin ja Johannas Schwester, was nur folgenden Schluss zulässt… ich bin auch ihre Tochter!!!
Diese Familie hat mich also sofort aufgenommen und deswegen sind wir dann auch alle (alle meint in diesem Fall Johann und mich plus ihre Gasteltern) am Sonntag in die Messe gegangen. Johannas 4 Gastschwestern mussten nicht mit, warum ist mir ein bisschen unklar.
Also zuerst einmal kann man feststellen, dass die Kirche in Oropesa wirklich schön und definitiv sehenswert ist und es sich allein deswegen schon gelohnt hat.
Es war aber auch so eine ziemlich spanende Erfahrung. Da ich ja nicht religiös bin, habe ich noch nicht an besonders vielen Gottesdiensten teilgenommen und wenn, dann waren dass immer evangelische.
Ich bin da also reingegangen und habe erwartet was ich über katholische Gottesdienste zu wissen glaubte… einen festen Ablauf mit dem Kyrieeleison, Agnus Dei und so, da hätte ich dank meiner musikalischen Vorbildung auch prima mitsingen können…
Tja wie immer wenn man etwas erwartet wird man überrascht, in diesem Falle durchaus positiv.
Ein ziemlich junger Priester (ich hoffe dass heißt Priester…) hat gepredigt und ich hab ihn sogar ganz gut verstanden und dann haben so 3 Nonnen und 3 Jungs (die erstmal zu spät kamen und von den Nonnen dafür ziemlich zur Schnecke gemacht wurden) immer gesungen und die Gemeinde durfte mitsingen.
Das hat quasi so die Orgel ersetzt, es war einfach ziemlich witzig… Den die Nonnen haben auf so einem Keyboard Musik eingespielt, die einfach wie ziemlich schlecht Karaokemusik klang und dann immer total laut und schief in ihre Mikros dazu gesungen (vom Genre her war das keine Kirchenmusik, sondern was zwischen Schlager und Popsong)...hatte aber den Vorteil, dass alle anderen in der Kirche auch mitgesungen haben. Johanna und ich auch, wenn wir ab und zu mal auf unserem Zettel (mit dem Ablauf des Gottesdienstes drauf) gefunden hatten wo genau wir waren.
Der Rest war weniger lustig und angespannter, weil wir ja nicht auffallen wollten. Was ganz schön schwierig ist, wenn man erstens zum ersten Mal in so einer kleinen Gemeinde ist. Zweitens nicht so ganz peruanisch aussieht und dann auch noch im Doppelpack auftritt und was am schwierigsten war drittens: einfach keinen Plan hat nach welchen feststehenden und streng geheimen Regeln man jetzt knien, stehen, sitzen, beten oder wiederholen muss, was der Priester sagt…
Es war aber trotzdem eine gute Erfahrung, die ich mir ganz anders vorgestellt hatte und die eigentlich dem sehr ähnlich war, was ich in evangelischen Gottesdiensten erlebt habe, zum Beispiel, dass man einfach jeden um sich herum an einer Stelle umarmt und ihm Gottes Liebe zusichert.
Was auch interessant war, war ein „Programmteil“, bei dem jedes Gemeindemitglied einen Teil des Gebetes (das im Programm stand) vorlesen konnte, was dazu geführt hat, dass manchmal 3 gleichzeitig angefangen haben vorzulesen und dann zwei aussteigen mussten, oder das eine lange Pause entstand, weil keiner weiter lesen wollte.
Es war wirklich gut, dass wir hingegangen sind, auch wen ich jetzt nicht missioniert bin, was Johannas Gasteltern glaub ich immer noch fest vorhaben…
Trotz allem bleibt irgendwie so ein bittere Beigeschmack und Zwiespalt.
Den Leuten hier sind ihre Inka Wurzel so wichtig, sie sprechen alle Quetchua (die indigene Sprache) und wollen unbedingt, dass wir die auch lernen. Sie kennen alle Ruinen und Geschichten der Inkas und dennoch sind sie alle streng katholisch.
Dabei waren es ja die katholischen Spanier, die hier ihre Religion aufgezwungen haben und ein ganzes Volk, nämlich die Inkas ausgelöscht und niedergemetzelt haben. Und auch wenn der Altar in Oropesa nur gold angemalt ist, so gibt es doch bestimmt im ganzen Land immer wieder kirchlichen Schmuck und Altäre (ich hoffe mal dass ist der richtige Plural) aus eingeschmolzenem Inkagold…
Gold, das eigentlich für den Sonnengott bestimmt war und nun einem ganz anderem Gott zugedacht ist, dass hat mich schon ziemlich nachdenklich gemacht...

Liebe Grüße aus Peru
Eure Sue

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